(Candida beunruhigt:) Eugen, möchten Sie nicht hingehen?
(Morell.) Ich würde mich fürchten, mich vor Eugen hören zu lassen; er ist Predigten gegenüber sehr kritisch. (Sieht ihn an.) Er weiß, daß ich mich vor ihm fürchte, er hat mir's heute früh selbst gesagt. Nun will ich ihm zeigen, wie sehr ich mich fürchte, indem ich ihn hier allein in deiner Hut lasse, Candida.
(Marchbanks zu sich selbst, mit lebhaftem Gefühl:) Das ist tapfer; das ist schön. (Er setzt sich wieder und hört mit geöffneten Lippen zu.)
(Candida mit ängstlicher Beunruhigung:) Aber, aber—Ist irgend etwas geschehen, Jakob? (Sehr verwirrt:) Ich kann dich nicht begreifen.
(Morell.) Ah, ich dachte, ich sei es, der nichts begreifen kann, meine
Liebe. (Er schließt sie zärtlich in die Arme und küßt sie auf die
Stirn, dann blickt er ruhig auf Marchbanks.)
(Vorhang)
DRITTER AKT
(Es ist nach zehn Uhr abends; die Vorhänge sind zugezogen und die Lampe brennt. Die Schreibmaschine steht in ihrem Kasten. Der breite Tisch ist geordnet worden; alles zeugt davon, daß das Tagewerk vollbracht ist. Candida und Marchbanks sitzen am Feuer; die Leselampe steht auf dem Kaminsims über Marchbanks, der in dem kleinen Stuhl sitzt und laut liest. Auf dem Teppich neben ihm liegt ein kleiner Haufen von Manuskripten und ein paar Bände Gedichte. Candida sitzt im großen Stuhl und hält einen leichten Schürhaken aus Messing aufrecht in der Hand; sie sitzt zurückgelehnt und sieht versonnen auf die funkelnde Messingspitze. Sie hat die Füße gegen das Feuer hin ausgestreckt und läßt ihre Fersen auf dem Kamingitter ruhen, sich ihrer Erscheinung und ihrer Umgebung tief unbewußt.)
(Marchbanks seine Vorlesung unterbrechend:) Jeder Dichter, der je gelebt hat, hat aus diesem Gedanken ein Sonett gemacht. Er muß es, ob er will oder nicht. (Er sieht Candida an, ob sie ihm zustimmt, und bemerkt, daß sie auf den Schürhaken starrt.) Haben Sie nicht zugehört? (Keine Antwort:) Frau Morell!
(Candida auffahrend.) Wie!?