(Mill ängstlich:) Aber lieber Herr Morell, wenn das, was Jimmy und
Flussy gefehlt hat, wirklich Scharlach war, halten Sie es für klug?—
(Morell.) Unsinn, Scharlach! Masern waren es, ich habe sie selbst von der Pycroftstraße aus der Schule nach Hause gebracht; ein Pastor ist wie ein Arzt, mein Lieber, er muß der Ansteckung ins Auge sehen können wie ein Soldat den Kugeln. (Er erbebt sich und schlägt Mill auf die Schultern.) Trachten Sie, Masern zu bekommen, wenn Sie können; Candida wird Sie dann pflegen, und was für ein Glücksfall wäre das für Sie, —was?
(Mill unsicher lächelnd:) Es ist schwer, Sie zu verstehen, wenn Sie über Frau Morell sprechen.—
(Morell weich:) Mein lieber Junge, seien Sie erst verheiratet! Verheiratet mit einer guten Frau, und dann werden Sie mich verstehen. Es ist ein Vorgeschmack von dem Besten, was uns in dem himmlischen Reich erwartet, das wir uns auf Erden zu gründen versuchen. Dann werden Sie sich schon das Bummeln abgewöhnen! Ein braver Mann fühlt, daß er dem Himmel für jede Stunde des Glücks ein hartes Stück selbstloser Arbeit zum Wohle seiner Mitmenschen schuldig ist. Wir haben ebensowenig das Recht, Glück zu verbrauchen, ohne es zu erzeugen, als Reichtum zu verbrauchen, ohne ihn zu erwerben. Suchen Sie sich eine Frau wie meine Candida, und Sie werden immer Schuldner sein, wieviel Sie auch abzahlen. (Er klopft Mill liebevoll auf den Rücken und ist im Begriff, das Zimmer zu verlassen, als Mill ihn zurückruft.)
(Mill.) Oh, warten Sie einen Augenblick, ich vergaß… (Morell bleibt
stehen und wendet sich um, die Türklinke in der Hand.) Ihr Herr
Schwiegervater wird hierherkommen, er hat mit Ihnen zu sprechen.
(Morell schließt die Tür wieder, mit vollkommen verändertem Wesen.)
(Morell überrascht und nicht erfreut:) Burgess?
(Mill.) Ja! Ich traf ihn mit jemandem im Park, in eifrigem Gespräch. Er sprach mich an und bat mich, Sie wissen zu lassen, daß er hierherkommt.
(Moroll halb ungläubig:) Aber er ist seit Jahren nicht hier gewesen.
Sind Sie sicher, Lexi? Sie scherzen doch nicht etwa?—
(Mill ernst:) Nein, Herr Pastor, ganz bestimmt nicht!
(Morell nachdenklich:) Hm, hm, er hält es an der Zeit, sich wieder einmal nach Candida umzusehen, ehe sie gänzlich aus seinem Gedächtnis verschwindet. (Er fügt sich in das Unvermeidliche und geht hinaus; Mill sieht ihm mit begeisterter, närrischer Verehrung nach. Fräulein Garnett, die Mill nicht schütteln kann, wie sie möchte, läßt ihre Gefühle an der Schreibmaschine aus.)