(Mill.) Was für ein vortrefflicher Mann, welch ein tiefes liebevolles Gemüt! (Er nimmt Morells Platz am Tisch ein und macht es sich bequem, indem er eine Zigarette hervorzieht.)

(Proserpina ungeduldig, nimmt den Brief, den sie auf der Maschine geschrieben hat, und faltet ihn zusammen:) Ach! ein Mann sollte seine Frau lieben können, ohne einen Narren aus sich zu machen.

(Mill erregt:) Aber Fräulein Proserpina!

(Proserpina geschäftig aufstehend, holt ein Kuvert aus dem Pulte, in das sie, während sie spricht, den Brief hineinlegt:) Candida hin und Candida her und Candida überall. (Sie leckt das Kuvert.) Es kann einen außer Rand und Band bringen! (Hämmert das Kuvert, um es fest zu schließen.) Hören zu müssen, wie eine ganz gewöhnliche Frau in dieser lächerlichen Weise vergöttert wird, bloß weil sie schönes Haar und eine leidliche Figur hat.

(Mill mit vorwurfsvollem Ernst:) Ich finde sie ungewöhnlich schön, Fräulein Garnett. (Er nimmt die Photographie zur Hand betrachtet sie und fügt mit noch tieferem Ausdruck hinzu:) Wunderbar schön,—was für herrliche Augen sie hat!

(Proserpina.) Candidas Augen sind durchaus nicht schöner als meine,
(Mill stellt die Photograpbie fort und sieht sie strenge an,) und ich
weiß ganz gut, daß Sie mich für ein gewöhnliches und untergeordnetes
Geschöpf halten.

(Mill erbebt sich majestätisch:) Gott behüte, daß ich von irgendeinem Geschöpf Gottes in dieser Weise dächte. (Er geht steif von ihr fort bis in die Nähe des Bücherschranks.)

(Proserpina mit bitterem Spott:) Ich danke Ihnen, das ist sehr nett und tröstlich.

(Mill traurig über ihre Verstocktheit:) Ich hatte keine Ahnung, daß
Sie etwas gegen Frau Morell haben.

(Proserpina entrüstet:) Ich habe durchaus nichts gegen sie. Sie ist sehr liebenswürdig und sehr gutherzig, ich habe sie sehr gern und weiß ihre wirklich guten Eigenschaften weit besser zu würdigen, als irgendein Mann es könnte. (Mill schüttelt traurig den Kopf, wendet sich zum Bücherschrank und sucht die Reihen entlang nach einem Bande. Sie folgt ihm mit heftiger Leidenschaftlichkeit.) Sie glauben mir nicht? (Er wendet sich um und blickt ihr ins Gesicht. Sie fällt ihn mit Heftigkeit an:) Sie halten mich für eifersüchtig? Was für eine tiefe Kenntnis des menschlichen Herzens Sie haben, Herr Alexander Mill! Wie gut Sie die Schwächen der Frauen kennen, nicht wahr? Wie schön es sein muß, ein Mann zu sein und einen scharfen durchdringenden Verstand zu haben, statt bloße Gefühle, wie wir Frauen, und zu wissen, daß die Ursache, warum wir ihr Vernarrtsein in eine Frau nicht teilen, nur in gegenseitiger Eifersucht zu suchen sein kann. (Sie wendet sich mit einer Bewegung ihrer Schultern von ihm ab und geht an das Feuer, ihre Hände zu wärmen.)