(Candida geht zu ihm hin und steht hinter ihm, eine Hand liebkosend auf seiner Schulter:) Achtzehn… Wollen Sie mir zuliebe ein kleines Gedicht aus zwei Zeilen machen, die ich Ihnen sagen will? Und wollen Sie mir versprechen, sich's immer vorzusagen, so oft Sie an mich denken.

(Marchbanks ohne sich zu rühren:) Sagen Sie die beiden Zeilen.

(Candida.) Wenn ich dreißig sein werde, dann wird sie fünfundvierzig sein; wenn ich sechzig sein werde, dann wird sie fünfundsiebzig sein.

(Marchbanks wendet sich nach ihr um:) In hundert Jahren werden wir gleich alt sein! Aber ich trage ein besseres Geheimnis als das in meinem Herzen! Lassen Sie mich jetzt gehen, die Nacht wächst draußen ungeduldig.

(Candida.) Leben Sie wohl! (Sie nimmt sein Gesicht in die Hände, und da er ihre Absicht errät und sein Knie beugt, küßt sie ihn auf die Stirne, dann flieht er hinaus in die Nacht.—Sie wendet sich zu Morell, mit ausgebreiteten Armen:) O Jakob! (Sie umarmen einander. Aber das Geheimnis in des Dichters Herzen, das kennen sie nicht.)

(Vorhang)

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes CANDIDA, von George Bernard Shaw.