„All mein Vermögen ist im Handel erworben,“ sagte Agatha, „aber ich würde mich doch vor mir selber schämen, wenn ich meine Schuld auf deine aristokratischen Schultern abwälzte. Du armseliges Ding! Hier, gib mir die Feder.“

„Ich will es ausstreichen, wenn du es wünschst! Aber ich glaube —“

„Nein, es soll da stehen bleiben und gegen dich zeugen. Jetzt paß auf, wie ich meine Sünden bekenne.“ Und sie schrieb in einer feinen, flinken Handschrift: „Heute abend trafen mich Gertrude Lindsay und Jane Carpenter oben auf der Treppe. Sie sagten, sie möchten gerne das Geländer heruntergleiten, und würden es auch tun, wenn ich voranginge. Ich sagte ihnen, es sei gegen die Regeln, aber sie meinten, das machte nichts. Und da sie älter sind als ich, ließ ich mich von ihnen verleiten und glitt hinunter.“ Agatha legte das Buch offen hin. „Nun, was haltet ihr davon?“ fragte sie.

Sie lasen es und erhoben lauten Widerspruch.

„Es ist die reine Wahrheit,“ sagte Agatha feierlich.

„Es ist schmutzig, gemein,“ sagte Jane energisch. „Erst wirfst du Gertrude ihren Fehler vor und dann gehst du hin und handelst selbst zweimal so schlecht! So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.“

„Ja, wer Wind sät, wird Sturm ernten! heißt es in unserm Lesebuch,“ sagte Agatha und fügte ihrer Beichte noch einen weiteren Abschnitt hinzu. „Aber ich war an allem schuld. Ich war auch ungezogen gegen Miß Wilson und weigerte mich, das Zimmer zu verlassen, als sie es mir befahl. Ich war aber nur beim Hinabgleiten mit Vorsatz böse. Ich liebe das Hinabgleiten so sehr, daß ich der Versuchung nicht widerstehen konnte.“

„Laß dich warnen, Agatha,“ sagte Jane eindrücklich. „Wenn du unverschämte Bemerkungen in das Buch schreibst, wirst du weggejagt.“

„Allerdings!“ entgegnete Agatha bedeutsam. „Warte nur, bis Miß Wilson sieht, was du geschrieben hast.“

„Gertrude,“ schrie Jane in plötzlicher Besorgnis, „hat sie mich verleitet, etwas Ungehöriges zu schreiben? Agatha, bitte, sag es mir, wenn —“