Sir Charles war jetzt in ihre Tonart hineingekommen. Er erinnerte sie wieder an die Musik, indem er innehielt und sie fragte, ob er richtig spiele. Sie kannte schon aus Erfahrung die Fehler, die er gewöhnlich machte. Sie gab ihm seinen Ton an und spielte weiter. Sie hatten aber noch nicht lange gesungen, als Jane zurückkam und sich hinsetzte, wobei sie die Hoffnung ausdrückte, sie würde wohl nicht stören. Aber sie störte sie. Agatha hatte das Gefühl, sie sei nur gekommen, um sie zu überwachen, und Sir Charles wußte es. Und dann war Lady Brandon stets unruhig in ihren Bewegungen, selbst wenn sie innerlich nichts bewegte. Wegen der Musik konnte sie nicht sprechen, und obgleich sie ein aufgeschlagenes Buch in der Hand hielt, konnte sie nicht zu gleicher Zeit lesen und beobachten. Sie gähnte und lehnte sich über das eine Ende des Sofas, bis sie im Begriff war, das Gleichgewicht zu verlieren und sich mit einem mächtigen Ruck wieder aufrichtete. Der Boden zitterte bei jeder Bewegung, die sie machte. Zuletzt konnte sie nicht mehr länger schweigen.

„Lieber Himmel!“ sagte sie laut gähnend. „Es muß mindestens schon fünf Uhr sein.“

Agatha drehte sich auf dem Klavierstuhl herum. Sie fühlte, daß die Musik und Lady Brandon sich nicht vereinigen ließen. Sir Charles gab sich seines Gastes wegen die größte Mühe, seine Erregtheit zu unterdrücken.

„Das kannst du leicht auf deiner Uhr sehen,“ sagte er.

„Danke für die Auskunft,“ sagte Jane. „Agatha, wo ist Gertrude?“

„Aber Jane, wie in aller Welt kann dir denn Miß Wylie sagen, wo sie ist? Ich glaube, du bist heute verrückt geworden.“

„Sie spielt wahrscheinlich mit Mr. Erskine Billard,“ sagte Agatha schnell, um einer Antwort Janes und der dann unvermeidlichen Auseinandersetzung zuvorzukommen.

„Ich halte es für sehr merkwürdig, daß Gertrude den ganzen Tag mit Chester im Billardzimmer ist,“ sagte Jane unzufrieden.

„Es ist auch nicht im geringsten etwas Unpassendes dabei,“ sagte Sir Charles. „Wenn Miß Lindsay als unser Gast nicht über jede Vermutung erhaben ist, dann sollten wir uns etwas schämen. Was würdest du sagen, wenn sonst jemand eine solche Bemerkung machte?“

„Ach, Unsinn,“ sagte Jane verdrießlich. „Du machst wegen jeder Kleinigkeit solch ein großes Geschwätz. Ich habe gar nicht behauptet, daß sich Gertrude unpassend benehme. Sie ist nach meiner Meinung viel zu förmlich, um eine angenehme Gesellschaft zu sein.“