„Du hast guten Grund dazu, denn er hat mich lieber als dich.“
Jane riß krampfhaft ihren Mund und die Augen auf, aber sie konnte nur nach Luft schnappen, und Agatha fuhr ruhig fort: „Ich bin höflich gegen ihn, und das bist du nie. Wenn er mit mir spricht, lasse ich ihn seinen Satz beendigen, ohne daß ich wie du ihn mit einer vorgefaßten Meinung unterbreche, die nicht des Anhörens wert ist. Ich gähne und spreche nicht, während er singt. Wenn er sich mit mir über Kunst und Literatur unterhält, wovon er zweimal so viel versteht als ich und wenigstens zehnmal so viel als du“ — Jane schnappte wieder nach Luft — „dann gebe ich ihm keine verrückte Antwort oder wende mich an meinen Nachbar auf der andern Seite mit einer Bemerkung über den Pferdestall oder das Wetter. Wenn er bereit ist, sich zu unterhalten, und das ist er immer, dann bin ich unterhaltend. Und deswegen hat er mich gern.“
„Er hat dich nicht gern. Er ist gegen jeden Menschen so.“
„Mit Ausnahme seiner Frau. Er hat mich so gern, daß du wie eine wirkliche Gans — was du ja auch bist — hereinkamst, um unsere Duette zu überwachen. Und du machtest dich so unangenehm, wie du nur konntest, während ich mich angenehm machte. Der arme Mann schämte sich deiner.“
„Das tat er nicht,“ sagte Jane schluchzend. „Ich habe nichts getan und nichts gesagt. Ich laß mir das nicht gefallen. Ich will mich scheiden lassen. Ich will —“
„Du wirst dein Benehmen bessern, wenn du noch etwas Vernunft hast,“ sagte Agatha ohne Reue. „Mach nicht solchen Lärm, sonst kommt jemand und sieht, was es gibt, und ich muß von dem Flügel herunter, wo ich sehr bequem sitze.“
„Du bist eifersüchtig.“
„Oh, wirklich, Jane? Ich habe bisher Sir Charles nicht gestattet, sich in mich zu verlieben, aber ich kann das sehr leicht tun. Was willst du wetten, daß er mich vor morgen abend küßt?“
„Es wird sehr gemein und schmutzig von dir sein, wenn er es tut. Du denkst wohl, ich ließe mich wie ein Kind behandeln?“
„Du bist auch ein Kind,“ sagte Agatha. Sie stieg von ihrem Sitz herunter und schickte sich an hinauszugehen. „Ein gelegentlicher Klaps ist dir ganz gut.“