„Ja. Sonst würde es doch kein Roman sein.“

„Glauben Sie in Ihrem geheimsten Innern, Agatha — ich nehme mir die Freiheit, Sie beim Vornamen zu nennen, weil ich sehr ernst sein will — glauben Sie wirklich, daß schon einmal zwei menschliche Wesen selbstlos genug gewesen sind, sich in der Art der Romane zu lieben?“

„Natürlich. Wenigstens vermute ich es. Ich habe nie viel darüber nachgedacht.“

„Ich bezweifle es. Meine Ansicht geht dahin, daß heutzutage kein Mann mehr an die Tiefe und Dauer seiner Zuneigung zu seiner Gefährtin glaubt. Trotzdem zweifelt er nicht an der Aufrichtigkeit ihrer Geständnisse, und er verbirgt die Unredlichkeit seiner eigenen vor ihr, zum Teil, weil er sich schämt, zum Teil auch, weil er mit ihr Mitleid hat. Und sie auf der andern Seite spielt genau dieselbe Komödie.“

„Ich glaube, daß die Männer das tun, aber nicht die Frauen.“

„Wirklich! Bitte, erinnern Sie sich, wie Sie einst vorgaben, Sie seien sehr in mich verliebt, als —“

Agatha errötete und stützte ihre Hand auf die Türschwelle, wie um aufzuspringen. Aber sie blieb ruhig und sagte: „Halt, Mr. Trefusis. Wenn Sie darüber sprechen, werde ich gehen. Ich wundere mich über Sie! Haben Sie kein Taktgefühl?“

„Gar keins. Und ich, der beleidigte Teil war an jenem — halt, gehn Sie nicht fort. Ich will nicht wieder darauf anspielen. Ich fürchte mich immer mehr vor Ihnen. Sonst pflegten Sie vor mir Angst zu haben.“

„Ja, und Sie pflegten mich einzuschüchtern. Sie haben die Gewohnheit, Frauen einzuschüchtern, die schwach genug sind, sich vor Ihnen zu fürchten. Sie sind viel klüger als ich und wissen wohl auch mehr, aber ich fürchte Sie nicht im mindesten.“

„Dazu haben Sie auch keinen Grund, ebensowenig wie Sie früher einen hatten. Wenn Henrietta am Leben wäre, sie könnte es bezeugen, daß der einzige Mangel in meinen Beziehungen zu Frauen der ist, daß ich zu übertrieben liebenswürdig bin. Ich könnte einer Frau keinen Herzenswunsch verweigern, außer wenn sie meine Hand zur Ehe haben wollte. Solange Ihr Geschlecht davor halt macht, kann es mit mir tun, was es will.“