„Sie haben uns falsch beurteilt, Lady Brandon. Miß Lindsay weiß es besser. Und dann bedenken Sie, daß mein Antrag gar nicht vorher beschlossen war. Heute morgen hatte ich durchaus keine zärtlichen Gedanken an irgend jemand — ausgenommen an eine, die ich jetzt nicht nennen kann.“
„Oh, das sind alles Redensarten. Es hat jetzt keinen Zweck mehr.“
„Ich will nichts mehr sagen. Ich muß zum Dorfe fahren, um an meinen Anwalt zu telegraphieren. Wenn ich Erskine treffe, will ich ihm die gute Nachricht mitteilen.“
„Er wird entzückt sein. Er, wie wir alle, dachte, Sie wollten ihn bei Gertrude ausstechen.“
Trefusis lächelte, schüttelte seinen Kopf und ging mit einem Blick bewundernder Huldigung für Janes Reize hinaus. Jane betrachtete sich im Spiegel, bis ein Dienstmädchen sie bat, zu Master Charles und Miß Fanny zu kommen. Sie eilte die Treppe hinauf in die Kinderstube, wo ihr Sohn und ihre Tochter sich um das Vorrecht balgten, das Baby zu quälen. Sie waren durch Janes Eintritt etwas erschreckt, aber durchaus nicht besänftigt. Sie schalt, schmeichelte, drohte, gab gute Worte, zitierte Dr. Watts, flehte das Kindermädchen an und beschimpfte es dann, fragte die Kinder, ob sie einander liebten, ob sie Mama liebten, und ob sie eine gehörige Tracht Prügel haben wollten. Schließlich geriet sie außer sich, weil sie nicht imstande war, Ordnung zu schaffen. Sie nahm das Baby, das ununterbrochen laut geschrien hatte, und sagte, es täte das mit Absicht, und sie wollte ihm einen wirklichen Grund zum Schreien geben. Sie gab ihm einen gehörigen Schlag und befahl den andern beiden, zu Bett zu gehen. Der Knabe war entsetzt über das Schicksal seines kleinen Bruders und machte den Vermittlungsvorschlag, er wollte brav sein, wenn Miß Wylie käme und mit ihm spielte, worauf ihm seine eifersüchtige Mutter eine Ohrfeige verabreichte, daß er heulend in seine Ecke flog. Dann verließ sie das Zimmer, nachdem sie in der Türe sich noch einmal umgewandt und erklärt hatte, wenn sie heute noch einen Laut hörte, dann könnte man von ihr das Schlimmste erwarten. Als sie erhitzt und ärgerlich in das Gesellschaftszimmer herabkam, fand sie Agatha dort allein. Sie blickte mit einem Ausdruck zum Fenster hinaus, als ob die Landschaft etwas besonders Unbefriedigendes böte.
„Selbstsüchtige, kleine Bestien!“ rief Jane und erregte mit ihren Röcken einen kleinen Wirbelwind, als sie hereinkam. „Charlie ist direkt ein kleiner Teufel. Er verbringt alle seine Zeit damit, nachzudenken, wie er mich quälen kann. Ach ja! Er ist genau wie sein Vater.“
„Danke sehr, mein Schatz,“ sagte Sir Charles vom Eingang her.
Jane lachte. „Ich wußte, daß du da warst,“ sagte sie. „Wo ist Gertrude?“
„Sie ist ausgegangen,“ sagte Sir Charles.
„Unsinn! Sie ist soeben erst mit mir von der Ausfahrt zurückgekommen.“