„In der Bibliothek, Sir Charles. Er schreibt.“

Sie sahen sich gegenseitig bezeichnend an und gingen zu Bett, ohne ihn zu stören.


[Achtzehntes Kapitel.]

Als Gertrude sich mit Trefusis in dem Pullmanwagen befand, wunderte sie sich, wie sie dazu kam, gegen ihren Entschluß, wenn nicht gegen ihren Willen, mit ihm zu fahren. Es waren noch zwei Frauen da, die sie mit mißtrauischen Blicken beobachteten, als ob sie mit schlechten Absichten hierhergekommen sei. Ferner ein Herr, der etwas weiter absaß und sie bewunderte; ihr Mädchen, das Trefusis’ Zeitungen las und grade außerhalb der Hörweite war; ein Herr vom Lande, der gleichgültig und mürrisch aus dem Fenster blickte; ein Kaufmann aus der City, der in den ‚Economist‘ vertieft war, und eine höfliche Dame, die sie zwar nicht anstarrte, aber doch im stillen beobachtete. Gertrude fühlte, daß sie in Gegenwart aller dieser Menschen keine Szene machen durfte, aber sie wußte, daß sie nicht hierhergekommen war, um eine gewöhnliche Unterhaltung zu führen. Sie brauchte auch darüber nicht lange im ungewissen zu bleiben. Er begann sofort zu sprechen und ging ohne Umschweife auf den Kernpunkt der Sache los.

„Was denken Sie über meine Verlobung?“

Diese Frage war mehr, als sie ruhig ertragen konnte. „Was geht das mich an?“ fragte sie unwillig. „Ich habe nichts damit zu tun!“

„Nichts? Dann ist es mit Ihrer Freundschaft für mich nicht weit her. Und ich hielt Sie für einen meiner besten Freunde.“

Sie machte eine Bewegung, als wollte sie ihn anblicken. Aber sie besann sich. Sie preßte ihre Lippen zusammen und starrte auf den leeren Sitz vor ihr. Für den Vorwurf, den er nach ihrer Ansicht verdiente, fand sie keinen Ausdruck.

„Ich habe noch immer diese Überzeugung, trotzdem Miß Lindsay so gleichgültig gegen meine Angelegenheiten ist. Aber ich muß auch gestehen, ich weiß kaum, wie ich Ihnen etwas mehr Teilnahme für mich einflößen soll. Sie sind erstens niemals verheiratet gewesen, ich aber wohl. Dann sind Sie so viel jünger als ich, und zwar nicht nur an Jahren. Höchst wahrscheinlich stammen Ihre Ansichten über solche Dinge meistens aus Romanen, in denen ein glücklicher Ausgang schon so wie so an sehr seltsame Umstände geknüpft ist — an Umstände, die im wirklichen Leben ganz andere Folgen haben. Wenn Ihre Freundschaft ein Kapitel aus einem Roman wäre, was würde wohl das Ende sein? Nun, ich müßte Sie entweder heiraten oder Ihnen durch meine Treulosigkeit das Herz brechen.“