„Warum gehst du nicht selbst?“ fragte das Kind eigensinnig, aber offenbar schon etwas in Angst.

„Denn du wirst den Wunsch haben,“ fuhr Agatha fort, ohne die Frage zu beachten, „daß du tot und begraben unter den schwärzesten Fliesen im Kohlenkeller liegst, wenn du mir das Buch nicht bringst, bevor ich sechzehn zähle. Eins — zwei —“

„Geh sofort und tu, was dir befohlen ist, du abscheuliches kleines Geschöpf,“ sagte Gertrude scharf. „Wie kannst du es wagen, ungehorsam zu sein?“

„— neun — zehn — elf —“ fuhr Agatha fort.

Das Kind bekam Angst. Es ging hinaus und kam gleich darauf wieder, das Sündenbuch mit den Armen umspannend.

„Du bist ein liebes, prächtiges Kind, sobald man deine besseren Eigenschaften durch strenge Anwendung der moralischen Überredung zum Vorschein bringt,“ sagte Agatha lustig. „Erinnere mich daran, daß ich dir morgen abend die Rosinen aus meinem Pudding aufhebe. Und jetzt, Jane, sollst du die Eintragung sehen, wegen derer das gutherzigste Mädchen aus der ganzen Schule weggejagt wird. Voilà!“

Die beiden Mädchen lasen es und waren entsetzt. Jane öffnete ihren Mund und schnappte nach Luft, Gertrude schloß ihre Lippen und sah sehr ernst drein.

„Du willst doch nicht sagen, du hast den schrecklichen Mut gehabt, das der Lady Abbeß zu zeigen?“ fragte Jane.

„Pah, das hätte sie mir schon vergeben. Aber ihr hättet hören sollen, was ich ihr gesagt habe! Sie wurde dreimal ohnmächtig.“

„Das ist ein Märchen,“ sagte Gertrude ernst.