„Ich glaubte nicht, daß eine Gefahr dabei sei,“ sagte Miß Carpenter, mit ihren Tränen kämpfend. „Agatha hat es schon so oft getan — oh, mein Gott, du hast mir das Kleid zerrissen!“ Miß Wylie hatte ihre Mitschülerin am Rock gezogen, und der Ruck war zu stark gewesen.

„Miß Wylie“, sagte Miß Wilson leicht errötend, „ich muß Sie bitten, das Zimmer zu verlassen.“

„O nein,“ schrie Agatha und faltete betrübt die Hände. „Bitte, tun Sie es nicht, liebe Miß Wilson. Es tut mir so leid. Ich bitte Sie um Verzeihung.“

„Da Sie nicht tun wollen, um was ich Sie bitte, muß ich selbst gehen,“ sagte Miß Wilson streng. „Kommen Sie mit in mein Arbeitszimmer,“ fügte sie, zu den beiden andern gewendet, hinzu. „Wenn Sie versuchen sollten, mir zu folgen, Miß Wylie, werde ich das als eine Zudringlichkeit ansehen.“

„Aber ich will ja gehen, wenn Sie es wünschen. Ich wollte Ihnen nicht ungehorsam —“

„Ich werde Sie jetzt nicht stören. Kommen Sie beide!“

Die drei gingen hinaus, und Miß Wylie, die in Ungnade zurückblieb, schnitt Miß Lindsay ein grimmiges Gesicht, als diese sich noch einmal nach ihr umsah. Als sie allein war, ließ ihre Lebhaftigkeit nach. Sie ging langsam zu dem Fenster und blickte verzweiflungsvoll auf die Landschaft. Einmal, als von oben der Klang der Stimmen zu ihr herunterdrang, leuchteten ihre Augen auf und ihre flinke Lippe bewegte sich. Aber dann wurde es wieder still, und sie versank in eine verdrießliche Gleichgültigkeit, bis ihre zwei Genossinnen mit sehr ernsten Gesichtern wieder hereinkamen.

„Nun,“ sagte sie plötzlich munter, „hat sie moralische Überredung angewandt? Müßt ihr euch in das Sündenbuch eintragen?“

„Still, Agatha,“ sagte Miß Carpenter. „Du solltest dich über dich selber schämen.“

„Nein, du solltest es, du Gans. Du hast mich in eine hübsche Patsche gebracht!“