Mr. Jansenius erwartete sie mit Besorgnis. Er hatte schon frühzeitig in seiner Laufbahn die Entdeckung gemacht, daß sein würdiges Aussehen und seine feine Stimme ihm bei den Leuten Ansehen verschafften und ihn bei öffentlichen Versammlungen an den Vorstandstisch brachten. Er war so sehr an diesen Respekt gewöhnt, daß ihn jede familiäre Annäherung oder Vertraulichkeit aufs höchste in Verwirrung setzten. Agatha andererseits, der man schon als Kind Onkel John als den Inbegriff von Weisheit und Ehrwürdigkeit gepriesen hatte, verspottete ihn stets als einen aufgeblasenen und geldstolzen Handelsmann, dessen filziges Gehirn unfähig war, ihre ausschweifenden Ideen zu begreifen. Sie hatte oft schon ihre Mutter in Schrecken gesetzt, indem sie sich mit jener absoluten Verachtung über ihn lächerlich machte, deren nur die Kindheit und die äußerste Unwissenheit fähig sind. Sie fühlte sich stets erniedrigt, weil er so gütig gegen sie war — denn er gab reichliche Geschenke — und mit dem Instinkt eines Anarchisten sah sie es für ein Zeichen an, daß sie auf dem richtigen Wege war, wenn sie seine Ratschläge verspottete und seine Autorität verachtete. Die Folge davon war, daß er sie etwas fürchtete, obgleich er nicht wußte, warum — und daß sie ihn durchaus nicht fürchtete und sich dessen sehr wohl bewußt war.

Als sie hereintrat, mit dem strahlendsten Lächeln, das sie ausspielen konnte, saßen Miß Wilson und Mr. Jansenius am Tisch und sahen aus wie zwei arme Sünder, die angeklagt waren. Miß Wilson wartete, daß er sprechen sollte, da sie sich auf seine imponierende Anwesenheit verließ. Da er aber dazu nicht imstande war, bat sie Agatha, Platz zu nehmen.

„Danke sehr,“ sagte Agatha süß. „Nun, Onkel John: kennst du mich nicht mehr?“

„Ich habe mit Bedauern von Miß Wilson gehört, daß du dich hier sehr ungehörig aufgeführt hast,“ sagte er, indem er ihre Bemerkung nicht beachtete, obgleich sie ihn im stillen ganz aus der Fassung gebracht hatte.

„Ja,“ sagte Agatha zerknirscht, „es tut mir sehr leid.“

Mr. Jansenius, der nach dem Bericht der Miß Wilson die äußerste Halsstarrigkeit erwartet hatte, sah sie erstaunt an.

„Sie scheinen zu glauben,“ sagte Miß Wilson, die Mr. Jansenius’ Erstaunen bemerkte und darüber beunruhigt war, „daß Sie immer und immer wieder unsere Vorschriften übertreten und dann sich mit uns wieder ins Einvernehmen setzen können“ — Miß Wilson bezeichnete Übertretungen nie als Sünden gegen ihre eigene Autorität, sondern als solche gegen die Autorität der Schule — „indem Sie sagen, es täte Ihnen leid. Bei unserer letzten Unterredung sprachen Sie in einem ganz andern Ton.“

„Ich war damals ärgerlich, Miß Wilson. Und ich dachte, ich hätte einen Grund zur Klage — alle glauben dasselbe von sich. Außerdem zankten wir uns — wenigstens tat ich es, und ich habe mich noch stets schlecht aufgeführt, wenn ich mich zankte. Es tut mir sehr leid.“

„Mit dem Buch, das war eine ernsthafte Sache,“ sagte Miß Wilson streng. „Sie scheinen das nicht zu glauben.“

„Wenn ich Agatha recht verstand, so sieht sie die Torheit ihres Benehmens in der Sache mit dem Buch ein, und es tut ihr sehr leid,“ sagte Mr. Jansenius, indem er unwillkürlich für Agatha Partei nahm, da sie die Stärkere war und ihm am wenigsten mit Geldangelegenheiten zur Last fiel.