„Mr. Jansenius, ich habe Ihnen schon auseinandergesetzt,“ sagte Miß Wilson, indem sie ihren Unwillen durch einen Versuch, ihn zu unterdrücken, nur noch verstärkte, „daß Miß Wylie jede Gelegenheit, sich mit mir wieder ins Einvernehmen zu setzen, zurückgewiesen hat. Mrs. Miller und ich haben absichtlich über alles Persönliche in der Sache hinweggesehen, und ich verlange nur, daß sie ihre Übertretung der Anstaltsvorschriften einsieht.“

„Aus Mrs. Miller mach ich mir nicht so viel,“ sagte Agatha, indem sie mit den Fingern schnipste. „Und Sie sind auch nicht halb so gut, wie ich dachte.“

„Agatha,“ sagte Mr. Jansenius, „ich wünsche, daß du deine Zunge hältst.“

Agatha atmete tief und sagte, indem sie sich resigniert hinsetzte: „So! Nun ist es doch so gekommen. Ich habe die Fassung verloren, und jetzt haben wir sie alle verloren.“

„Du hast kein Recht, die Fassung zu verlieren,“ sagte Mr. Jansenius, indem er sich einbildete, er hätte jetzt einen Vorteil über sie.

„Ich bin die jüngste und verdiene den geringsten Tadel,“ entgegnete sie.

„Es hat keinen Zweck, noch etwas darüber zu reden, Mr. Jansenius,“ sagte Miß Wilson entschlossen. „Es tut mir leid, daß Miß Wylie es vorzieht, mit uns zu brechen.“

„Aber ich ziehe es gar nicht vor, mit Ihnen zu brechen, und ich halte es für sehr hart, daß Sie mich wegjagen. Niemand hat hier den geringsten Streit mit mir gehabt, außer Mrs. Miller. Mrs. Miller zürnt mir, weil sie mich in falschem Verdacht hat wegen ihrer Katze, aber das ist doch nicht meine Schuld! Und wirklich, Miß Wilson, ich weiß nicht, warum Sie mir so böse sind. Wenn ich weggejagt werde, glauben alle Mädchen, ich hätte etwas Abscheuliches getan. Wenigstens müßte ich bis Ende des Schuljahres bleiben, und was das Sünden- — das Fehlerbuch angeht, so haben Sie mir doch, als ich ankam, ganz ausdrücklich gesagt, ich könnte hineinschreiben oder nicht, ganz wie ich wollte. Sie würden nie etwas diktieren oder über eine Eintragung etwas sagen. Und doch, das erstemal, daß ich etwas schreibe, was Ihnen nicht gefällt, jagen Sie mich weg. Niemand wird mehr glauben, daß die Eintragungen freiwillige sind.“

Miß Wilsons Gewissen war schon durch die Roheit und das Fehlen der moralischen Überredung in Mr. Jansenius Wort: ‚Sei nicht unverschämt!‘ getroffen worden, denn es klang wie das Echo ihrer eigenen Worte, und jetzt fühlte sie sich aufs neue beunruhigt. „Das Fehlerbuch,“ sagte sie, „ist nur zu Selbstanklagen da, es darf nicht dazu dienen, andere zu beschuldigen.“

„Ich weiß ganz gewiß, daß weder Jane noch Gertrude noch ich uns im geringsten anklagten, weil wir die Treppen herunterglitten, aber Sie hatten keinen Tadel, als wir das hineinschrieben. Übrigens sollte das Buch der moralischen Überredung dienen — wenigstens sagten Sie das immer, und als Sie die moralische Überredung aufgaben, glaubte ich, ich müßte darüber eine Eintragung machen. Natürlich war ich damals im Zorn, aber als ich zur Ruhe kam, hielt ich es für ganz recht, was ich getan hatte. Und ich glaube das auch noch heute, obgleich es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich zu allem geschwiegen hätte.“