„Ich — ich glaube, du schreibst gern in das Sündenbuch,“ sagte Miß Carpenter hämisch.
„Ja, Jane. Das ist der beste Spaß, den man hier in diesem Loch hat.“
„Es mag dir Spaß machen,“ sagte Miß Lindsay scharf, „aber für mich ist es nicht sehr rühmlich, wie Miß Wilson grade sagte, daß ich in der Moralphilosophie einen Preis bekommen habe und dann einschreiben muß, ich wüßte mich selbst nicht zu benehmen. Außerdem laß ich mir nicht gerne sagen, ich sei schlecht erzogen.“
Agatha lachte. „Was für eine kluge, alte Person sie ist! Sie weiß uns stets bei unseren kleinen Schwächen zu fassen, die sie genau kennt. Meinst du, sie würde jemals mir oder Jane erzählen, wir wären schlecht erzogen!“
„Ich verstehe dich nicht,“ sagte Miß Lindsay stolz.
„Natürlich nicht. Du verstehst aber von der Moralphilosophie nicht soviel wie ich, trotzdem ich niemals einen Preis darin bekam.“
„Du hast überhaupt noch keinen Preis bekommen,“ sagte Miß Carpenter.
„Und hoffentlich bekomm ich auch in Zukunft keinen,“ sagte Agatha. „Lieber würde ich mich wie die Straßenjungens im Schnee um heißgemachte Pfennige herumbalgen, als mich darum streiten, wer die meisten Fragen beantworten kann. Ich habe genug Moralphilosophie an Doktor Watts. Aber jetzt wollen wir uns das Sündenbuch holen.“
Sie ging an ein Gestell und holte ein schweres, in schwarzes Leder gebundenes Buch in Quartformat herunter, auf dem in roten Buchstaben die Inschrift Meine Vergehen stand. Sie warf es unehrerbietig auf ein Pult und blätterte die Seiten um, bis sie an eine kam, die erst zum Teil mit Bekenntnissen ausgefüllt war.
„Merkwürdig,“ sagte sie, „hier sind ja zwei Eintragungen, die nicht von mir herstammen. Sarah Gerram! Was hat sie gebeichtet?“