„Lies es nicht,“ sagte Miß Lindsay schnell. „Du weißt, das ist das Schändlichste, was eine von uns tun kann.“

„Puh! Wegen unserer kleinen Sünden braucht man nicht solches Geschrei zu machen. Ich habe es immer gern, wenn andere meine Eintragungen lesen, ich komme mir dann wie eine Schriftstellerin vor. Natürlich lese ich dann aus christlicher Nächstenliebe auch das von den andern. Also das Schuldbekenntnis der armen Sarah. ‚1. Oktober. Es tut mir sehr leid, daß ich heute morgen im Badezimmer Miß Chambers einen Klaps gab und ihr dabei einen Zahn ausschlug. Es war sehr häßlich, aber er fiel schon von selbst aus, und sie hat mir verziehen, weil ein neuer kommt. Sie hat auch nur geschwindelt, als sie sagte, sie hätte ihn heruntergeschluckt. Sarah Gerram.‘“

„So ein Schaf!“ sagte Miß Lindsay. „Und mit solchen kleinen Kindern muß man sich in dasselbe Buch einschreiben!“

„Hier ist ein rührendes Bekenntnis. ‚4. Oktober. Helen Plantagenet tut es sehr leid, daß sie gestehen muß, sie hat den ersten Platz in Algebra gestern mit Unrecht erhalten. Miß Lindsay sagte mir vor, und —‘“

„Oh!“ rief Miß Lindsay errötend aus. „So dankt sie mir für das Vorsagen? Wie darf sie meine Vergehen in das Sündenbuch eintragen?“

„Das geschieht dir recht, weil du ihr vorgesagt hast,“ sagte Miß Carpenter. „Sie war immer eine falsche Katze, und du hättest sie besser kennen sollen.“

„Oh, du kannst mir glauben, ich tat es nicht um ihretwillen,“ entgegnete Miß Lindsay. „Ich wollte nur verhindern, daß das Jackson-Mädchen den ersten Platz bekam. Helen Plantagenet kann ich nicht ausstehen, aber sie ist wenigstens eine Dame.“

„Unsinn, Gertrude,“ sagte Agatha mit etwas Ernst in ihrer Stimme. „Wenn man dich hört, glaubt man, deine Großmutter ist eine Köchin gewesen. Sei doch nicht so albern.“

„Miß Wylie,“ sagte Gertrude heftig errötend, „Sie sind sehr — oh! oh! Halt Ag— oh! Ich werde es Miß W— oh!“ Agatha hatte einen Finger zwischen ihre Rippen gesteckt und kitzelte sie unerträglich.

„Sst,“ flüsterte Miß Carpenter ängstlich. „Die Tür ist offen.“