„Sie brauchen sich nicht zu ängstigen,“ sagte Agatha, die sich seit ihrer Zurückweisung durch Miß Wilson abseits gehalten hatte. „Ich bin sicher, daß keine Gefahr dabei ist. Es ist zwar äußerst merkwürdig, daß sie fortgegangen sind, aber der Mann ist nicht verrückter als ich, und ich weiß, daß er ein Gentleman ist. Er hat es mir selbst gesagt.“

„Wir wollen das Beste hoffen,“ sagte Mrs. Jansenius ruhig. „Ich möchte mich hinsetzen — ich bin so müde. Danke sehr.“ — Agatha hatte ihr einen Stuhl hingestellt. „Was sagten Sie, daß Ihnen dieser Mann erzählt hat?“

Agatha berichtete die Umstände ihrer Bekanntschaft mit Smilasch, indem sie aufs Mrs. Jansenius’ Bitten eine genaue Beschreibung seines Aussehens gab. Mrs. Jansenius bemerkte, es sei sehr seltsam, und sie wäre überzeugt, daß Henrietta keine Gefahr drohe. Sie trank dann ein Glas Wein und aß ein paar Butterbrote. Agatha freute sich, weil sie jemand fand, der ihr ruhig zuhörte, aber sie staunte doch über die Kaltblütigkeit ihrer Tante und deutete schließlich an, wenn Smilasch auch kein Arbeiter sei, so folge noch nicht daraus, daß er ein ehrenhafter Mann sei. Aber Mrs. Jansenius antwortete: „Oh, sie ist sicher — ganz sicher! Schließlich muß ich es wenigstens hoffen. Wir werden schon bald Nachrichten bekommen.“

Die Sucher kehrten nach und nach fassungslos zurück. Sie hatten ein paar Hirten, die einzigen Personen, die es in der Nachbarschaft gab, gefragt, ob sie nicht eine junge Dame und einen Arbeiter gesehen hätten. Einige hatten eine junge Frau mit einem Kleiderbündel gesehen, vielleicht war sie das gewesen. Andere glaubten, wenn einer sie entdeckte, dann würde es Phil Martin, der Kärrner, tun. Keiner aber hatte eine sichere Aussage zu machen.

Der Nachmittag ging weiter, und eine Abteilung nach der andern kehrte zurück. Alle waren ermüdet von dem erfolglosen Suchen, und an die Stelle der Erregung trat Niedergeschlagenheit. Die Unterhaltung war nicht mehr lärmend, sie wurde im Flüstertone geführt, und einige Besucher aus der Umgegend schlichen sich davon in der immer stärker werdenden Überzeugung, daß etwas Häßliches geschehen sei, und daß sie am besten nichts damit zu schaffen hätten. Mr. Jansenius war, obgleich ihn einige Worte seiner Frau überrascht und etwas beruhigt hatten, doch noch immer in bejammernswerter Unruhe und Ängstlichkeit.

Endlich kam die Polizei, und beim Anblick ihrer Uniformen erhob sich die Aufregung von neuem. Es herrschte die allgemeine Überzeugung, daß jetzt etwas Entscheidendes geschehen würde. Aber die Beamten waren auch nur sterbliche Menschen, und nach ein paar Minuten flüsterte man sich zu, sie seien Narren. Sie bezweifelten alles, was man ihnen erzählte, und drückten ihre Verachtung gegen das Suchen der Laien aus, indem sie eine neue Untersuchung begannen und mit der größten Sorgfalt die unwahrscheinlichsten Ecken durchstöberten. Zwei gingen fort nach Smilaschs Hütte, um dort nach ihm zu suchen. Dann brachte Fairholme, sonnenverbrannt, schwitzend und staubig, aber noch voll Energie, den erschöpften Überrest seiner Abteilung zurück. Sie hatten einen mürrischen Jungen bei sich, der den Polizeibeamten finstere Blicke zuwarf und offenbar glaubte, er sollte an sie ausgeliefert werden.

Fairholme war überall gewesen, und da er nichts von dem verlorenen Paar gesehen hatte, kam er zu dem Schluß, daß sie überhaupt nirgends steckten. Er fragte jeden um Auskunft und sagte, er würde es herausbekommen, wenn es nur möglich wäre. Aber es war nicht möglich. Das einzige Resultat seiner Bemühungen war die Erzählung des Burschen, dem er nicht glaubte.

„Hm!“ sagte der Inspektor, der nicht sehr erfreut über Fairholmes Eifer war, obgleich er ihm imponierte. „Du bist doch Wickens Junge, nicht wahr?“

„Ja, ich bin Wickens Junge,“ antwortete der Zeuge halb verächtlich, halb weinerlich. „Und ich hab ihn doch gesehen, und wenn jemand sagt, ich hätte ihn nicht gesehen, dann ist er ein Lügner.“

„Still,“ sagte der Inspektor scharf. „Wir wollen deine Unverschämtheiten nicht hören. Aber erzähle uns, was du gesehen hast, sonst bekommst du es nachher mit mir zu tun.“