„Was macht der Mann da?“ fragte Henrietta, indem sie mißtrauisch stehenblieb.
Agatha lachte und sagte laut, damit er es hören sollte: „Es ist nur ein harmloser Verrückter, den Miß Wilson beschäftigt. Er vermummt sich gerne in irgendeiner verrückten Art und versucht uns zu erschrecken. Hab keine Angst, komm nur mit.“
Henrietta blieb unentschlossen zurück, aber ihr Arm hing in dem Agathas, und sie wurde wider Willen weitergezogen. Smilasch machte keine Bewegung. Agatha schlenderte ruhig weiter, und als sie an ihm vorüberkam, erfaßte sie die Schürze gewandt mit ihren Fingern und riß sie ihm vom Gesicht. Sofort stieß Henrietta einen durchdringenden Schrei aus, und Smilasch fing sie in seinen Armen auf.
„Schnell,“ sagte er zu Agatha, „sie wird ohnmächtig. Laufen sie nach etwas Wasser. Laufen Sie!“ Und er neigte sich über Henrietta, die sich wie wahnsinnig an ihn anklammerte. Agatha war ganz verwirrt über diese Folge ihres scherzhaften Tuns. Sie überlegte einen Augenblick und rannte dann nach dem Rasenplatz.
„Was ist geschehen?“ fragte Fairholme.
„Nichts. Ich möchte etwas Wasser, schnell — bitte! Henrietta ist im Gebüsch in Ohnmacht gefallen, das ist alles.“
„Bitte, bemühen Sie sich nicht,“ sagte Miß Wilson gebieterisch, „Sie werden sich nur auf dem Wege zusammendrängen und wertvolle Hilfe verhindern. Miß Ward, holen Sie bitte etwas Wasser, und bringen Sie es uns. Agatha, kommen Sie mit, und zeigen Sie mir, wo Mrs. Trefusis ist. Sie können auch mitkommen, Miß Carpenter, Sie sind so stark. Die übrigen wollen hierbleiben.“
Gefolgt von den beiden Mädchen eilte sie in das Gebüsch, wo Mr. Jansenius schon ängstlich nach seiner Tochter suchte. Er war der einzige Mensch, den sie dort fanden. Smilasch und Henrietta waren verschwunden.
Anfangs stellten die Sucher nur Fragen an Agatha über die Stelle, wo Henrietta in Ohnmacht gefallen war. Dann aber gab Mr. Jansenius zu verstehen, daß eine Dame in den Händen eines halbverrückten Arbeiters in einer gefährlichen Lage sei. Seine Aufregung steckte die andern an, und als Agatha sie durch die Erklärung, Smilasch sei ein verkleideter Gentleman, zu beruhigen suchte, gebot ihr Miß Wilson, die das für eine Wiederholung ihrer früheren müßigen Ideen hielt, in scharfer Weise zu schweigen, da es jetzt keine Zeit sei, Unsinn zu schwätzen. Die Neuigkeit verbreitete sich unter der ganzen Gesellschaft, und die Aufregung stieg aufs äußerste. Fairholme rief nach Freiwilligen, die zusammen auf die Suche gehen sollten. Alle anwesenden Männer meldeten sich, und sie waren schon im Begriff, in einem starken Trupp durch die Anstaltstore zu eilen, als es einem Besonneneren von ihnen einfiel, es sei besser, wenn sie sich in mehrere Abteilungen teilten, damit man an verschiedenen Punkten gleichzeitig suchen konnte. Nun folgte für zehn Minuten eine Verwirrung. Mr. Jansenius setzte sich mehrere Male in Bewegung, um nach Henrietta zu suchen, aber wenn er einige Schritte gegangen war, kehrte er wieder um und bat die andern, doch keine Zeit mehr zu verlieren. Josephs, der einen einfältigen Glauben hatte, zog sich zum Gebet zurück, und es war das beste, was er tun konnte, denn so gab es in dem Lärm von Plänen, Einwendungen und Ratschlägen, den die übrigen machten, und bei dem jeder den andern zu überschreien suchte, eine Stimme weniger.
Schließlich beendete Miß Wilson die allgemeine Verwirrung. Sie sandte Dienstboten zu den Nachbarn und ließ aus dem Dorf die Polizei kommen. Unter dem Kommando von Fairholme und anderer energischer Geister wurden Abteilungen nach den verschiedensten Richtungen ausgesandt. Auch die Mädchen bildeten unter sich Abteilungen, die durch Herren, welche die andern verließen, verstärkt wurden. Miß Wilson ging in das Haus hinein und untersuchte das ganze Innere der Anstalt. Nur zwei Personen blieben auf dem Tennisplatz, Agatha und Mrs. Jansenius, die die ganze Zeit über erstaunlich ruhig geblieben war.