„Dann glaube ich, daß er deiner müde geworden und davongelaufen ist.“

Henriettas eigenartige dunkle Röte verschwand plötzlich von ihren Wangen, sie riß Agathas Arm zurück und rief: „Wie kannst du das sagen! Du hast kein Herz. Er betete mich an.“

„Unsinn!“ sagte Agatha. „Die Menschen werden immer einander müde. Ich werde meiner selbst müde, wenn ich nur zehn Minuten mit mir allein bin, und liebe mich sicherlich selbst mehr, als sich sonst zwei Menschen lieben können.“

„Das weiß ich,“ sagte Henrietta gequält und boshaft. „Du warst immer ganz besonders von dir selber eingenommen.“

„Sehr wahrscheinlich gleicht er mir in dieser Beziehung. In dem Falle wird er seiner selbst bald müde werden und zurückkehren, und ihr werdet bald wieder girren wie die Turteltauben, bis er von neuem davonläuft. Hu! Es geschieht dir ganz recht, warum hast du dich verheiratet? Ich wundere mich, wie die Leute so verrückt sein können, da sie doch alle verheirateten Bekannten als warnende Beispiele vor Augen haben.“

„Du weißt nicht, was es heißt, jemand zu lieben,“ sagte Henrietta jammernd und doch belehrend. „Übrigens waren wir nicht so wie die andern Paare.“

„Es scheint so. Aber mach dir nichts daraus, du kannst dich drauf verlassen, sobald er seiner eigenen Gesellschaft überdrüssig wird, kehrt er schon zurück. Quäle dich nicht damit, darüber nachzudenken, komm, wir wollen eine Partie Lawn-Tennis spielen.“

Während dieser Unterredung hatten sie das Gesellschaftszimmer verlassen und machten jetzt einen Umweg durch die Anlagen. Sie näherten sich den Tennisspielplätzen auf einem Pfad, der zwischen zwei Lorbeerhecken durch ein Buschwerk führte.

Inzwischen wartete Smilasch in seiner weißen Schürze und in Handschuhen den Gästen auf. Er hatte sich ausdrücklich geweigert, diese abzulegen, indem er anführte, er sei ein gewöhnlicher Mann, und Ladies und Gentlemen könnten aus seinen gewöhnlichen Händen nicht Speise und Trank entgegennehmen. Er benahm sich auch untadelig, bis Miß Wilson mit ihren Gästen ankam. Er kehrte grade mit einem vollen Teebrett zum Tische zurück und ging so schnell, daß er fast mit Mrs. Jansenius zusammenstieß. Anstatt sich zu entschuldigen, verlor er seine Fassung und begann rückwärts zu gehen, indem er hastig das Teebrett wie einen Schild vor sein Gesicht hielt. Gleich darauf stolperte er gegen Miß Lindsay, die schnell gerannt kam, um einen Ball zurückzuwerfen. Ohne auf ihren ärgerlichen Blick und ihren barschen Tadel zu achten, wandte er sich halb um und wich seitwärts in das Gebüsch hinein, wo das Teebrett gleich darauf in die Höhe und quer über die Lorbeerhecke flog, um mit dem Gepolter eines Theaterdonners auf dem gekrümmten Rücken des Mr. Josephs zu landen. Miß Wilson gab der Wirtschafterin einen scharfen Tadel, weil sie dem Mann die Bedienung überlassen hatte, und erklärte dann ihren Gästen, daß er ein Idiot aus der Umgegend sei. Mr. Jansenius lachte und sagte, er hätte zwar das Gesicht des Mannes nicht gesehen, aber seine Gestalt erinnere ihn stark an irgend jemand, er wüßte nur nicht genau, an wen.

Smilasch, der durch das Gebüsch davoneilte, fand das Ende des Weges durch Agatha und eine junge Dame versperrt, deren Erscheinen ihn mehr beunruhigte, als es vorher Mrs. Jansenius getan hatte. Er versuchte mit Gewalt durch die Hecke zu brechen, aber vergebens. Der Lorbeer war undurchdringlich, und das Geräusch erregte die Aufmerksamkeit des herankommenden Paares. Er machte jetzt keinen Versuch mehr, zu entweichen, sondern zog seine erborgte Schürze über den Kopf und stand kerzengrade da mit dem Rücken nach dem Wege.