„Was ist zwischen dir und Hubby geschehen?“ fragte Agatha, sie unterbrechend. „Wenn du es mir nicht sagst, werde ich ihn fragen, wenn ich ihn treffe.“

„Ich wollte es dir grade erzählen, aber du läßt mir ja keine Zeit.“

„Das ist ja Quatsch,“ sagte Agatha. „Aber meinetwegen, erzähle.“

Henrietta zauderte. Ihre Würde als verheiratete Frau und der Ernst ihres Schmerzes lehnten sich gegen die seichte Auffassung des Schulmädchens auf. Aber sie war jetzt ebensowenig wie früher als Kind imstande, Agathas Tyrannei zu widerstehen, und sie sehnte sich nach ihrem Mitgefühl. Außerdem hatte sie es schon gelernt, ihre Geschichte lieber selbst zu erzählen, als das andern zu überlassen, weil dann die Sache durchaus nicht immer im richtigen Lichte dargestellt wurde. So erzählte sie Agatha von ihrer Ehe, ihrer milden Liebe zu ihrem Gatten, seinem geheimnisvollen Verschwinden, ohne ein Wort oder eine Adresse zu hinterlassen. Den Brief erwähnte sie nicht.

„Hast du nach ihm gesucht?“ fragte Agatha, indem sie eine Neigung zum Lachen unterdrückte.

„Aber wo? Hätte ich auch nur die entfernteste Spur, ich würde ihm barfuß bis ans Ende der Welt folgen.“

„Ich glaube, du solltest alle Flüsse durchsuchen — das müßtest du ja barfuß tun. Er muß irgendwo hineingefallen oder irgendwo abgestürzt sein.“

„Nein, nein. Meinst du, ich wäre hier, wenn ich dachte, daß sein Leben in Gefahr sei? Ich habe Gründe — ich weiß, daß er nur davongegangen ist.“

„Oh, wirklich! Er nahm seinen Koffer mit sich, nicht wahr? Vielleicht ist er nach Paris gereist, um dir etwas Hübsches zu kaufen und dir eine angenehme Überraschung zu bereiten.“

„Nein,“ sagte Henrietta traurig. „Er wußte, daß ich nichts brauchte.“