„Ich habe bestimmt die Klingel gehört — die Gartenklingel. Oh, wir wollen wieder zu Bett gehen.“

„Unsinn! Wer wird in einer solchen Nacht ausgehen? Vielleicht hat sie der Wind in Bewegung gesetzt.“

Sie warteten einige Augenblicke. Gertrude zitterte, und Agatha hatte in der Dunkelheit ein Gefühl, wie es Leute haben, die sich vor Gespenstern fürchten. Dann vermischte sich ein undeutlicher Klang in das Brausen des Windes.

Ein paar scharfe und durchdringende Töne kamen unverkennbar von der Gartenklingel auf dem Vorplatz. Es war eine laute Klingel, die bestimmt war, die Dienstmädchen im Hause anzurufen, wenn das Tor geöffnet werden sollte. Denn das Pförtnerhäuschen war unbewohnt.

„Was in aller Welt kann das sein?“ fragte Agatha. „Können sie nicht das Törchen finden, die Idioten?“

„Hoffentlich nicht! Bitte, komm herauf, Agatha.“

„Nein, ich will nicht. Geh nur, wenn du willst.“ Aber Gertrude fürchtete sich, allein zu gehen. „Es ist am besten, wenn wir Miß Wilson wecken und es ihr sagen.“ fuhr Agatha fort. „Es ist schrecklich, in solch einer Nacht jemand nicht hereinzulassen.“

„Aber wir wissen ja nicht, wer es ist.“

„Nun, ich weiß jedenfalls, daß du keine Angst vor ihnen hast,“ sagte Agatha, obgleich sie das Gegenteil wußte. Aber sie benutzte die Gelegenheit, Gertrude zu beschämen und zum Schweigen zu bringen.

Sie lauschten wieder. Der Sturm wütete jetzt besonders laut, und sie konnten die Glocke nicht hören. Plötzlich klopfte jemand heftig an die Haustüre. Gertrude schrie, und ihr Schrei erhielt aus den oberen Räumen ein Echo. Verschiedene Mädchen hatten auch das Klopfen gehört und waren dadurch so erschreckt worden, als hätten sie Alpdrücken. Eine Kerze flackerte auf der Treppe, und man hörte Miß Wilsons Stimme, die beruhigend fest klang.