„Das werden sie auch,“ sagte sie mit Ausdruck.

„Darum habe ich, um auch das noch zu sagen, einen zweifelhaften Charakter. Nun hat sich zwischen mir und einigen Schülerinnen eine flüchtige Bekanntschaft gebildet, die Sie, wie es scheint, mißbilligen. Sie haben mir keinen genügenden Grund angegeben, warum ich die Bekanntschaft aufgeben soll, und Sie können mich nur durch Ihre Wünsche beeinflussen, die aber gewöhnlich auf zweifelhafte Charaktere keinen starken Eindruck machen. Angenommen, ich mißachte Ihren Wunsch, und eine oder zwei Schülerinnen kommen zu Ihnen und sagen: ‚Miß Wilson, nach unserer Meinung ist Smilasch ein prächtiger Mensch. Man gewinnt durchaus bei seiner Unterhaltung. Da es Ihr Grundsatz ist, daß wir nach unserm eigenen Urteil handeln können, so wollen wir die Bekanntschaft mit Smilasch weiter fortsetzen.‘ Wie werden Sie in dem Falle handeln?“

„Ich werde sie sofort zu ihren Eltern zurückschicken.“

„Ich sehe, Sie haben dieselben Grundsätze wie die englische Kirche. Sie gestatten Ihren Schülerinnen das Recht der eigenen Meinung unter der Bedingung, daß sie zu denselben Schlüssen kommen wie Sie selbst. Entschuldigen Sie meine Bemerkung, daß die an sich ausgezeichneten Grundsätze der englischen Kirche nicht dieselben sind, wie ich sie bei Ihnen nach Ihrem Prospekt erwartet habe. Ihr Plan ist einfach ein starrer Zwang.“

„Das kann ich nicht zugeben,“ sagte Miß Wilson, denn sie war stets bereit, ihr System zu verteidigen, selbst gegen Smilasch. „Die Mädchen haben die vollständige Freiheit, nach ihrem eigenen Gutdünken zu handeln, aber ich behalte mir die gleiche Freiheit vor, sie von der Anstalt zu entfernen, wenn ich ihr Benehmen nicht billigen kann.“

„Ganz recht. Auf den meisten Schulen haben die Kinder die vollständige Freiheit, ihre Aufgaben zu lernen oder nicht zu lernen, ganz wie sie wollen. Aber der Lehrer beansprucht die gleiche Freiheit, sie zu prügeln, wenn sie diese Aufgaben nicht wiederholen können.“

„Ich schlage meine Schülerinnen nicht,“ sagte Miß Wilson unwillig. „Der Vergleich ist beschimpfend.“

„Aber Sie jagen sie fort. Und da sie an Ihnen und an der Anstalt hängen, ist diese Entlassung eine gefürchtete Strafe. Sie haben das alte System, Gesetze aufzustellen und deren Beobachtung durch Strafen zu erzwingen. Wenn die Altonschule den andern überlegen ist, so liegt das nicht an einem Unterschied im System, sondern an den verhältnismäßig vernünftigen Vorschriften und an der Milde und Rücksicht, mit der diese Vorschriften erzwungen werden.“

„Mein System ist von Grund aus verschieden von dem alten. Doch ich will mich mit Ihnen nicht darüber streiten. Ein Kopf, der mit den Vorurteilen der alten Zwangserziehung ausgefüllt ist, sieht natürlich in meinem System nur eine Wiederholung des alten, anstatt einer vollkommenen Umkehrung und Neubildung.“

Er schüttelte traurig seinen Kopf und sagte: „Sie wollen andern Ihre Ansichten aufdrängen, indem Sie die Widerspenstigen in Bann tun. Glauben Sie mir, die Menschen haben nie etwas anderes getan, seit sie begannen, sich mit Ideen zu befassen. Man hat gesagt, ein wohlwollender Despotismus sei die beste Regierungsform, die möglich ist. Ich glaube nicht an diesen Satz, weil ich an einen andern glaube, daß die Hölle mit Wohlwollen gepflastert ist, was die meisten Menschen, denen dieser Satz zu tief ist, dahin mißverstehen, die Hölle sei mit guten Vorsätzen gepflastert. Als ob ein wohlwollender Despot durch einen Irrtum nicht sein ganzes Königreich zerstören und dann wie Romeo, der seinen Freund getötet hat, ausrufen könnte: ‚Ich dacht’ es gut zu machen!‘ Entschuldigen Sie meine Abschweifung. Ich wollte sagen, obgleich Sie wohlwollend und gerecht sind, sind Sie doch ein Despot.“