(Napoleon.) So wie Sie.
(Dame.) Ich? (Mit einem plötzlichen seltsamen Gedanken:) Oh, Sie sind also ein Feigling?
(Napoleon lacht grimmig und schlägt auf seine Knie:) Das ist die einzige Frage, die Sie an einen Soldaten nie stellen dürfen. Der Feldwebel fragt den Rekruten nach seiner Länge, seinem Alter, seinem Atem, seinen Knochen—aber niemals nach seinem Mut. (Er steht auf und geht, in sich hineinkichernd, mit den Händen auf dem Rücken und vorgeneigtem Kopf, auf und ab.)
(Dame als ob sie nichts Lächerliches dabei finden könnte:) Ah, Sie können sich über die Furcht lustig machen… dann wissen Sie nicht, was Furcht ist.
(Napoleon hinter das Sofa tretend:) Sagen Sie mir eines: Nehmen Sie an, daß Sie diesen Brief nur hätten bekommen können, wenn Sie vorgestern über die Brücke bei Lodi zu mir gekommen wären,—nehmen Sie an, daß Sie keinen andern Weg gehabt hätten und daß dies ein sicherer Weg war—vorausgesetzt, daß die Kanonenkugeln Sie verschonten. (Sie schaudert und bedeckt ihre Augen einen Moment mit den Händen.) Würden Sie Angst gehabt haben?
(Dame.) Oh, fürchterliche Angst! tödliche Angst! (Sie preßt ihre
Hände aufs Herz.) Die bloße Vorstellung schmerzt schon!
(Napoleon unbeugsam:) Würden Sie wegen der Depeschen gekommen sein?
(Dame überwältigt von dieser entsetzlichen Vorstellung:) Fragen Sie mich nicht! Ich hätte kommen müssen!
(Napoleon.) Warum?
(Dame.) Weil ich gezwungen gewesen wäre. Weil es keinen andern Ausweg gegeben hätte!