(Napoleon.) Schon wieder! Habe ich Ihnen nicht verboten, von meiner Frau zu sprechen? (Sie fährt fort, ihn neugierig anzublicken, ohne diese Zurechtweisung zu beachten. Mehr und mehr erregt, läßt er seine hochmütige Art fallen, die ihm selbst etwas lästig wird, und sagt argwöhnisch, mit leiser Stimme:) Wer ist diese Frau, mit der Sie so tief sympathisieren?

(Dame.) Oh, Herr General, wie könnte ich Ihnen das sagen?!

(Napoleon übellaunig, beginnt er wieder ärgerlich verwundert auf und ab zu gehen:) Ja, ja—die eine hilft der andern—Ihr Weiber seid alle gleich!

(Dame entrüstet:) Wir sind nicht alle gleich—nicht mehr, als Ihr es seid! Glauben Sie, daß, wenn ich einen andern Mann liebte, ich vorgeben würde, meinen Mann weiter zu lieben, oder mich fürchten würde, ihm oder der ganzen Welt alles zu sagen? Aber diese Frau ist nicht aus solchem Stoff geschaffen—sie beherrscht die Männer, indem sie sie betrügt, und (verachtungsvoll:) sie lieben das und lassen sich von ihr beherrschen. (Sie setzt sich wieder nieder, mit dem Rücken gegen ihn.)

(Napoleon sich um sie nicht bekümmernd:) Barras! Barras! (Wendet sich drohend gegen sie, sein Gesicht verfinstert sich.) Nehmen Sie sich in acht! nehmen Sie sich in acht!—hören Sie! Sie könnten zu weit gehen!

(Dame wendet ihm unschuldig ihr Gesicht zu:) Was haben Sie?

(Napoleon.) Auf was spielen Sie an? Wer ist diese Frau?

(Dame begegnet seinem ärgerlich forschenden Blick mit ruhiger Gleichgültigkeit und bleibt, zu ihm aufsehend, mit übergeschlagenen Beinen sitzen und läßt den rechten Arm leicht auf der Lehne des Stuhles ruhen:) Ein eitles, dummes, verschwenderisches Geschöpf, das einen sehr fähigen und ehrgeizigen Mann hat, der sie durch und durch kennt—der weiß, daß sie ihn über ihr Alter, ihr Einkommen, ihre soziale Stellung, über alles, worüber dumme Frauen Lügen erzählen, belogen hat,—der weiß, daß sie unfähig ist, irgendeinem Prinzip oder irgendeinem Menschen treu zu sein, und doch nicht umhin kann, sie zu lieben,—dessen männlicher Instinkt ihm sogar erlaubt, sie zu benützen, um mit ihrer Hilfe bei Barras etwas zu erreichen.

(Napoleon mit einem leisen, kalt wilden Flüstern:) Das ist Ihre Rache,
Sie Katze, weil Sie mir die Briefe herausgeben mußten!

(Dame.) Unsinn! Oder halten Sie sich selbst für so einen Menschen?