(Napoleon.) Sie scheinen die Sorge um die Ehre Ihrer alten Freundin vergessen zu haben?

(Dame.) Jetzt läuft sie keine Gefahr mehr: sie versteht ihren Mann nicht ganz.

(Napoleon.) Soll ich den Brief also lesen? (Er streckt seine Hand aus, als ob er das Paket wieder aufgreifen wollte, den Blick auf sie gerichtet.)

(Dame.) Ich sehe nicht, wie Sie jetzt noch vermeiden könnten, ihn zu lesen. (Er zieht seine Hand sofort zurück.) Oh, fürchten Sie sich nicht. Sie werden mancherlei interessante Dinge darin finden.

(Napoleon.) Zum Beispiel?

(Dame.) Zum Beispiel: ein Duell—mit Barras, eine häusliche Szene, einen aufgelösten Haushalt, einen öffentlichen Skandal, eine zerstörte Karriere—allerlei interessante Dinge—

(Napoleon.) Hm! (Er sieht sie an, nimmt das Paket und betrachtet es, spitzt die Lippen und wiegt es in der Hand, sieht sie dann wieder an, nimmt das Paket in seine linke Hand und stellt es hinter seinen Rücken; seine rechte Hand erhebt er, um sich am Hinterkopf zu kratzen, indem er sich umwendet und an die Schwelle des Weingartens geht, wo er einen Augenblick stehen bleibt und, in tiefe Gedanken versunken, nach den Weinreben blickt. Die Dame beobachtet ihn schweigend, mit einiger Geringschätzung. Plötzlich kommt er wieder zurück, voll Kraft und Entschlossenheit:) Ich will Ihre Bitte erfüllen, Madame. Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit verdienen einen Erfolg. Nehmen Sie die Briefe, für die Sie so gut gekämpft haben, und erinnern Sie sich hinfort daran, daß Sie den niedrig geborenen, gemeinen, korsischen Abenteurer nach der gewonnenen Schlacht dem Besiegten gegenüber ebenso großmütig gefunden haben, wie er vorher im Angesichte des Feindes unerbittlich war. (Er bietet ihr das Paket an.)

(Dame ohne es zu nehmen, ihn hart anblickend:) Ich frage mich, was Sie wohl jetzt im Schilde führen. (Er wirft das Paket wütend auf den Boden.) Aha! Mir scheint, diesmal habe ich eine Pose verdorben. (Sie macht ihm eine hübsche, spöttische Verbeugung.)

(Napoleon hebt die Briefe wieder auf:) Wollen Sie die Briefe nehmen und dann gehen? (Geht auf sie los und will sie ihr aufdrängen.)

(Dame um den Tisch herum entwischend:) Nein! ich will Ihre Briefe nicht.