(Napoleon.) Vor zehn Minuten wollte Ihnen nichts anderes genügen.

(Dame den Tisch sorgfältig zwischen ihm und sich haltend:) Vor zehn
Minuten hatten Sie mich noch nicht über alles Ertragen beleidigt.

(Napoleon.) Dann… (seine Wut hinunterwürgend:) dann bitte ich Sie um
Verzeihung.

(Dame kühl:) Ich danke. (Er bietet ihr mit erzwungener Höflichkeit das Paket über den Tisch an; sie tritt einen Schritt zurück, aus seinem Bereich, und sagt:) Aber wollen Sie denn nicht mehr wissen, ob die Österreicher in Mantua oder in Peschiera stehen?

(Napoleon.) Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich meine Feinde ohne die
Mithilfe von Spionen zu besiegen weiß, Madame!

(Dame.) Und den Brief—wollen Sie den nicht lesen?

(Napoleon.) Sie haben gesagt, daß er nicht an mich adressiert ist—ich habe nicht die Gewohnheit, anderer Leute Briefe zu lesen. (Er bietet ihr das Paket abermals an.)

(Dame.) Wenn dem so ist, dann ist dagegen, daß Sie ihn behalten, gewiß nichts einzuwenden. Alles, was ich wollte, war: zu verhindern, daß Sie ihn lesen. (Heiter:) Guten Abend, Herr General! (Sie wendet sich kühl nach der inneren Türe.)

(Napoleon wirft das Paket ärgerlich auf das Sofa:) Himmel, gib mir Geduld! (Er pflanzt sich entschlossen vor der Tür auf und verstellt ihr so den Weg.) Fehlt Ihnen jeder Sinn für persönliche Gefahr, oder gehören Sie zu den Frauen, die es lieben, schwarz und blau geschlagen zu werden?

(Dame.) Ich danke schön, Herr General—das müßte zweifellos eine sehr reizvolle Sensation sein, aber ich verzichte lieber darauf. Ich will einfach nach Hause gehn, weiter nichts. Ich war arglistig genug, Ihre Depeschen zu stehlen, aber Sie haben sie zurückbekommen und haben mir verziehen, weil (seinen rhetorischen Tonfall liebenswürdig wiederholend:) Sie nach der gewonnenen Schlacht ebenso großmütig gegen den Besiegten sind, wie Sie vorher im Angesicht des Feindes unerbittlich waren. Wollen Sie mir nicht Lebewohl sagen? (Sie reicht ihm freundlich die Hand.)