(Napoleon sich zu ihnen wendend:) Wo sind die Depeschen?
(Dame.) Das würden Sie niemals erraten—die sind an dem unwahrscheinlichsten Orte von der Welt. Hat jemand von Ihnen meine Schwester hier gesehen?
(Leutnant.) Ja! sehr hübsche Dame! Sie sieht Ihnen ganz wunderbar ähnlich, aber natürlich ist sie viel hübscher.
(Dame geheimnisvoll:) Nun—wissen Sie aber auch, daß sie eine gefährliche Hexe ist?
(Giuseppe läuft auf sie zu und bekreuzigt sich:) O nein, nein, nein! Es ist gefährlich, mit solchen Dingen zu scherzen! Ich kann das in meinem Hause nicht dulden, Exzellenz!
(Leutnant.) Ja, lassen Sie das. Sie sind mein Gefangener, das wissen Sie. Selbstverständlich glaube ich nicht an so einen Unsinn; aber es ist doch kein Ding, mit dem man spaßen sollte.
(Dame.) Es ist aber so, ich spreche vollkommen ernst. Meine Schwester hat den Herrn General behext. (Giuseppe und der Leutnant weichen von Napoleon zurück.) Herr General, öffnen Sie Ihren Rock, und Sie werden die Depeschen in Ihrer Brusttasche finden. (Sie legt ihre Hand rasch auf seine Brust.) Ja, hier sind sie—ich kann sie fühlen… Nun? (Sie sieht ihm ins Gesicht, halb schmeichlerisch, halb spöttisch.) Wollen Sie mir gestatten, Herr General—? (Sie faßt einen Knopf, als ob sie seinen Rock aufknöpfen wollte, und wartet auf Erlaubnis.)
(Napoleon unergründlich:) Wenn Sie es wagen.
(Dame.) Ich danke Ihnen. (Sie öffnet seinen Rock und nimmt die Depeschen heraus.) Da sind sie! (Zu Giuseppe, ihm die Depeschen zeigend:) Sehen Sie?
(Giuseppe zur äußeren Tür fliehend:) Nein—um Gottes willen; Sie sind behext!