(Napoleon mit drohender Höflichkeit:) Ich bedaure—ich glaube, ich war in diesem Augenblick zu sehr beschäftigt.

(Giuseppe mit eifriger Bewunderung:) Man erzählt sich, daß Sie von
Ihrem Pferde abgesprungen sind und die großen Kanonen mit eigenen
Händen abgeprotzt haben, Herr General!

(Leutnant.) Das war ein Mißgriff: ein Offizier sollte sich nie dazu hergeben, die Arbeit seiner Untergebenen zu verrichten. (Napoleon sieht ihn gefahrdrohend an und beginnt wie ein Tiger auf und ab zu gehen.) Aber Sie könnten noch jetzt ganz zwecklos auf die Österreicher feuern, wenn wir Kavalleristen nicht die Furt gefunden hätten, über den Fluß gesetzt wären und Sie dadurch unterstützt hätten, daß wir Beaulieus Flanke von Ihnen abwendeten. Sie würden es nicht gewagt haben—und Sie wissen das selbst sehr genau—den Befehl zu geben, die Brücke stürmen zu lassen, wenn Sie uns nicht auf dem jenseitigen Ufer gesehen hätten. Deshalb sage ich, daß nur der Entdecker jener Furt die Schlacht bei Lodi gewonnen hat.—Nun, und wer hat sie entdeckt?—Ich war der erste Mann, der sie überschritt, und ich weiß es—mein Pferd hat sie gefunden. (Mit Überzeugung, während er sich vom Sofa erhebt:) Eigentlich hat mein Pferd die Österreicher besiegt.

(Napoleon zornig:) Sie Idiot, ich werde Sie erschießen lassen, weil Sie die Depeschen verloren haben! Ich werde Sie vor die Mündung einer Kanone binden and in die Luft sprengen lassen! Andere Maßregeln sind ja nicht imstande, Eindruck auf Sie zu machen. (Ihn anbrüllend:) Hören Sie! verstehen Sie! (Ein französischer Offizier tritt unbeachtet ein, seinen in der Scheide befindlichen Degen in der Hand.)

(Leutnant uneingeschüchtert:) Wenn ich ihn nicht erwischen werde, Herr
General, nur dann! Bedenken Sie das Wenn!

(Napoleon.) Wenn! wenn!… Esel! dieser Mann existiert überhaupt nicht!

(Der Offizier tritt plötzlich zwischen sie und spricht mit der unverkennbaren Stimme der fremden Dame:) Herr Leutnant, ich bin Ihr Gefangener! (Sie bietet ihm ihren Degen.—Sie sind sprachlos vor Erstaunen. Napoleon start sie einen Augenblick, wie vom Donner gerührt, an, reißt sie dann am Handgelenk rauh zu sich hin, betrachtet sie wild aus der Nähe, um ihre Identität selbst festzustellen, denn es beginnt rasch zu dunkeln und der rote Schein über dem Weingarten weicht einem hellen Sternenlicht.)

(Napoleon.) Pah! (Er läßt mit einem Ausruf des Widerwillens ihre Hand fahren und wendet ihr düster blickend den Rücken zu, seine Hand in den Brustfalten des Waffenrockes.)

(Leutnant nimmt triumphierend den Degen:) Dieser Mann existiert überhaupt nicht—was, Herr General? (Zu der Dame:) Ich frage Sie: wo ist mein Pferd?

(Dame.) Es wartet gesund in Borghetto auf Sie, Herr Leutnant.