Louka: Ich trotze ihr doch; ich will ihr trotzen—was liegt mir daran?

Nicola: Wenn du mit der Herrschaft Streit bekommst, kann ich dich niemals heiraten; es ist genau so, als ob du dich mit mir nicht vertragen würdest.

Louka: Du nimmst also ihre Partei gegen mich?

Nicola [gelassen]: Ich werde immer von der Gnade unserer Herrschaft abhängig sein. Wenn ich den Dienst verlasse, um einen Laden in Sofia aufzumachen, dann wird ihre Kundschaft mein halbes Kapital bedeuten. Ein böses Wort von ihnen könnte mich zugrunde richten.

Louka: Du hast eben keine Kurage! Ich möchte sehen, ob sie sich unterstehen würden, über mich ein böses Wort zu sagen!

Nicola [mitleidig]: Ich hätte dich für gescheiter gehalten, Louka, aber du bist eben jung—noch sehr jung.

Louka: Gewiß. Ja, und du liebst mich darum um so mehr, nicht wahr? Aber so jung ich bin, kenne ich doch ein paar Familiengeheimnisse, von denen sie nicht wünschen würden, daß ich sie ausplaudere. Sie sollen es nur wagen, mit mir anzubinden!

Nicola [mitleidig und überlegen]: Weißt du, was sie täten, wenn sie dich so sprechen hörten?

Louka: Was könnten sie tun?

Nicola: Dich wegen Lügenhaftigkeit entlassen. Wer würde dir dann jemals wieder ein Wort glauben, wer dir eine andere Stellung verschaffen? Wer in diesem Hause würde es wagen, auch nur wieder mit dir zu sprechen? Und wie lange würde dein Vater auf seinem kleinen Bauernhof belassen werden?! [Sie wirft ungeduldig den Rest ihrer Zigarette fort und tritt darauf]: Du großes Kind! Du weißt eben nicht, was für eine Macht so hohe Herrschaften über unsereins haben, sobald wir armen Teufel versuchen, uns gegen sie aufzulehnen. [Er tritt nahe an sie heran, mit leiser Stimme]: Schau mich an! Seit zehn Jahren diene ich in diesem Hause—glaubst du, daß ich da keine Geheimnisse weiß? Ich weiß Dinge von unserer Frau! Nicht um tausend Leu würde sie wollen, daß ihr Mann sie erführe! Und ich weiß Dinge von ihm, wegen deren sie ihm ein halbes Jahr lang zusetzen würde, wenn ich sie ausplaudern wollte. Ich weiß Dinge von Fräulein Raina! Die Auflösung der Verlobung mit Sergius wäre die Folge, wenn—