(Frau Clandon.) Aber Sie glauben doch sicher nicht, daß diese Dinge ernst gewesen sind—harmlose Scherze von Kindern—Herr Doktor?
(Dr. Valentine.) Ihnen sind es vielleicht Scherze—vielleicht auch ihr. Aber ich weiß, was die Betroffenen dabei gelitten haben. (Mit possierlich echtem Ernst:) Haben Sie jemals an die vernichteten Existenzen gedacht—an die Ehen, die in der Rücksichtslosigkeit der Verzweiflung geschlossen wurden—an die Selbstmorde—die—die—die—
(Gloria unterbricht ihn verachtungsvoll:) Mutter, dieser Mensch ist ein sentimentaler Esel! (Sie rauscht fort an den Kamin.)
(Frau Clandon empört:) Oh, meine teuerste Gloria! Der Herr Doktor wird das grob finden.
(Dr. Valentine.) Ich bin kein sentimentaler Esel mehr! Ich bin für immer von jeder Sentimentalität geheilt. (Er setzt sich zornig.)
(Frau Clandon.) Sie müssen uns allen verzeihen, Herr Doktor. Die Frauen müssen die falschen guten Manieren ihres Sklaventums erst verlernen, bevor sie sich die echten guten Manieren ihrer Freiheit aneignen können.—Halten Sie Gloria nicht für gemein. (Gloria wendet sich erstaunt um.) Sie ist es wirklich nicht.
(Gloria.) Mutter, du entschuldigst mich bei *ihm*!
(Frau Clandon.) Mein Kind, du hast manchen Fehler der Jugend und auch manchen ihrer Vorzüge, und Herr Doktor Valentine hat wohl zu altmodische Ideen über sein eigenes Geschlecht, als daß er sich gern einen Esel nennen ließe.—Aber wollen wir jetzt nicht lieber nachsehen, was Dolly anstellen mag? (Sie gebt an die Fenstertür. Dr. Valentine erhebt sich.)
(Gloria.) Geh du ohne mich, Mutter. Ich habe mit Herrn Doktor
Valentine ein Wort allein zu sprechen.
(Frau Clandon überrascht, will sich dagegen verwahren:) Meine liebe Gloria… (Sich besinnend:) Entschuldige—selbstverständlich, wenn du es wünschest. (Sie verneigt sich gegen Dr. Valentine und geht hinaus.)