(Dr. Valentine.) Oh, warum ist Ihre Mutter nicht Witwe—sie ist sechsmal so viel wert als Sie!

(Gloria.) Nun höre ich endlich das erste Wort aus Ihrem Munde, das
Ihnen Ehre macht.

(Dr. Valentine.) Unsinn! Nun—sagen Sie mir, was Sie mir zu sagen haben, und lassen Sie mich gehen.

(Gloria.) Ich habe Ihnen nur das eine zu sagen: Sie haben mich heute nachmittag einen Augenblick auf Ihr Niveau herabgedrückt. Glauben Sie, daß ich nicht auf meiner Hut gewesen sein würde, wenn mir das schon einmal passiert wäre, daß ich nicht gewußt hätte, was kommen würde, und meine eigene elende Schwäche gekannt hätte?

(Dr. Valentine sie leidenschaftlich auszankend:) Sprechen Sie nicht in dieser Weise darüber! Was liegt mir an Ihren inneren Eigenschaften mit Ausnahme von Ihrer Schwäche, wie Sie das nennen? Sie haben sich für sehr sicher gehalten—nicht wahr?—Verschanzt hinter Ihren fortschrittlichen Ideen! Es hat mir Spaß gemacht, die ziemlich leicht über den Haufen zu werfen.

(Gloria dreist, da sie fühlt, daß sie jetzt mit ihm machen kann, was sie will:) Wirklich?

(Dr. Valentine.) Aber aus welchen Gründen habe ich das getan?—Weil es mich gereizt hat, Ihr Herz zu wecken, die Tiefen in Ihnen aufzuwühlen. —Und warum hat mich das gereizt? Weil meine Natur es bitter ernst mit mir gemeint hat, als ich mit ihr nur zu scherzen meinte… Wer von uns beiden ist erwacht, wie dann der große Augenblick gekommen war—wer wurde aufgewühlt in seinen tiefsten Tiefen?… Ich! Ich! —Ich wurde hingerissen. Sie waren nur beleidigt… empört! Sie sind nur eine ganz alltägliche junge Dame—zu alltäglich, um zahmen Seeoffizieren zu erlauben, so weit zu gehen, wie ich heute ging… weiter nichts. Ich will Sie nicht mit den üblichen Entschuldigungen behelligen.—Leben Sie wohl. (Er geht entschlossen zur Tür.)

(Gloria.) Bleiben Sie! (Er zögert.) Aber wollen Sie auch verstehen, daß ich Ihnen durchaus nicht entgegenkomme, wenn ich Ihnen jetzt die Wahrheit sage?

(Dr. Valentine.) Pah! Ich weiß, was Sie mir jetzt sagen wollen. Sie glauben, daß Sie nicht alltäglich sind—daß ich recht hatte—daß jene Tiefen in Ihrer Natur dennoch vorhanden sind… Es schmeichelt Ihnen, das zu glauben. (Sie weicht zurück.) Nun, ich gebe zu, daß Sie in einer Hinsicht nicht alltäglich sind: Sie sind ein gescheites Mädchen. (Gloria unterdrückt einen Wutschrei und gebt ihm drohend einen Schritt entgegen.) Aber Sie sind noch nicht erweckt worden. Ich war Ihnen gleichgültig… ich bin Ihnen gleichgültig… meine Tragödie ist es gewesen, nicht die Ihre. Leben Sie wohl! (Er wendet sich nach der Tür; sie beobachtet ihn, entsetzt darüber, daß er ihrer Macht entschlüpft. Die Türklinke in der Hand, hält er inne, wendet sich dann wieder Gloria zu und reicht ihr die Hand.) Wir wollen als Freunde auseinandergehen.

(Gloria außerordentlich erleichtert, kehrt ihm mit größter
Absichtlichkeit den Rücken:) Adieu.—Ich hoffe, Sie werden von Ihrer
Wunde bald genesen.