(McNaughtan seine Sprache wiedererlangend:) Nein! laß mich in Ruhe! Ich brauche ihn nicht. Ich fühle mich vollkommen wohl! Ich brauche seine Hilfe nicht und deine auch nicht! (Er erhebt sich und rafft sich zusammen.) Du hast recht, es ist besser, wenn ich gehe. (Er setzt seinen Hut auf.) Ist das dein letztes Wort?

(Gloria.) Ich hoffe. (Er starrt sie einen Augenblick an, nickt grimmig, als wenn er damit einverstanden wäre, und geht ins Hotel. Sie sieht ihm mit gleicher Festigkeit nach, bis er verschwindet. Dann macht sie eine Bewegung der Befreiung und wendet sich zu Dr. Valentine, der die Stufen heraufgelaufen kommt.)

(Dr. Va1entine keuchend:) Was ist los? (Er siebt sich um:) Wo ist
McNaughtan?

(Gloria.) Fort. (Dr. Valentines Gesicht drückt plötzliche Freude, Furcht und Durchtriebenheit aus. Er hat eben bemerkt, daß er mit Gloria allein ist. Sie fährt gleichgültig fort:) Ich glaubte, er fühle sich nicht wohl; aber er hat sich wieder erholt. Er wollte nicht auf Sie warten—es tut mir leid. (Sie geht ihr Buch und den Sonnenschlrm holen.)

(Dr. Valentine.) Um so besser! Er geht mir ohnedies auf die Nerven nach einer Weile. (Tut so, als ob er sich vergäße:) Wie kommt dieser Mann nur zu so einer wundervollen Tochter?

(Gloria stutzt einen Augenblick und antwortet ihm dann mit höflicher, aber absichtlicher Verachtung:) Das scheint der Versuch zu einem Kompliment zu sein. Erlauben Sie mir, Sie gleich darauf aufmerksam zu machen, Doktor, daß Komplimente eine sehr öde Unterhaltung abgeben. Bitte, lassen Sie uns auf eine vernünftige und gesunde Weise Freunde sein, falls wir Freunde werden sollen. Ich habe nicht die Absicht, mich zu verheiraten; und wenn Sie diese Lage der Dinge nicht annehmen wollen, so wäre vorzuziehen, unsere gegenseitige Bekanntschaft nicht fortzusetzen.

(Dr. Valentine vorsichtig:) Ich verstehe. Gestatten Sie mir nur eine einzige Frage?—Sind Sie gegen die Ehe als gesellschaftliche Einrichtung im allgemeinen, oder haben Sie nur etwas dagegen, mich persönlich zu heiraten?

(Gloria.) Ich kenne Sie viel zu wenig, Herr Doktor, um über Ihre persönlichen Vorzüge irgendeine Meinung zu haben. (Sie wendet sich mit unendlicher Gleichgültigkeit von ihm fort und setzt sich mit ihrem Buch auf die Gartenbank:) Ich halte die Bedingungen einer heutigen Ehe nicht für solche, die irgendein Weib annehmen könnte, das sich selbst achtet.

(Dr. Valentine schlägt sofort in den Ton herzlicher Aufrichtigkeit um, als ob er Glorias Bedingungen ehrlich annähme und von ihren Grundsätzen entzückt und beruhigt wäre:) Oh, da haben wir denn schon einen Punkt gemeinsamer Sympathie! Ich bin ganz Ihrer Ansicht: die heutigen Eheeinrichtungen sind höchst ungerecht. (Er nimmt seinen Hut ab und wirft ihn fröhlich auf den eisernen Tisch.) Nein! ich für mein Teil möchte all diesen Unsinn loswerden. (Er setzt sich so unbefangen neben sie, daß sie nicht daran denkt, etwas dagegen einzuwenden, und führt mit Enthusiasmus fort:) Finden Sie es nicht auch entsetzlich, daß ein Mann und eine Frau einander nur zu kennen brauchen, um verdächtigt zu werden, daß sie Heiratsabsichten haben? Als ob es keine andern Interessen gäbe—keine andern Unterhaltungsmöglichkeiten— als wenn die Frauen zu nichts Besserem fähig wären!

(Gloria interessiert:) Ah, nun fangen Sie endlich an, menschlich und vernünftig zu sprechen, Herr Doktor!