(Sie preßt ihre Lippen fest zusammen und blickt ihn standhaft und herausfordernd an, während sie gefaßter ist denn je.)
(Dr. Valentine kehrt an das Ende der Gartenbank zurück, um Gloria mit mehr Nachdruck gegenüber zutreten:) O doch, das sind Sie! Mein Verstand sagt es mir—meine Kenntnisse sagen es mir—meine Erfahrung sagt es mir.
(Gloria.) Entschuldigen Sie, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, daß Ihr Verstand und Ihr Gefühl und Ihre Erfahrung nicht unfehlbar sind—ich hoffe es wenigstens.
(Dr. Valentine.) Ich muß diesen aber glauben. Es sei denn, Sie wollten, daß ich meinen Augen, meinem Herzen, meinen Instinkten und meiner Einbildungskraft glaube, die mir alle über Ihre Person die ungeheuerlichsten Lügen erzählen.
(Gloria, deren Fassung anfängt nachzulassen:) Lügen?…
(Dr. Valentine hartnäckig:) Ja, Lügen. (Er setzt sich wieder neben sie.) Oder soll ich vielleicht glauben, daß Sie das schönste Weib der Erde sind? Erwarten Sie das von mir?
(Gloria.) Das ist lächerlich und etwas persönlich noch dazu.
(Dr. Valentine.) Natürlich ist es lächerlich!—Aber es ist das, was mir meine Augen sagen. (Gloria protestiert mit einer verachtungsvollen Bewegung:) Nein, ich schmeichle Ihnen nicht—ich sage Ihnen doch, daß ich meinen Augen nicht traue. (Sie schämt sich darüber, daß ihr das auch nicht ganz recht ist.) Erwarten Sie, daß ich hier sitzen und wie ein Kind heulen werde, wenn Sie aus Widerwillen gegen meine Schwäche nichts von mir wissen wollen?
(Gloria beginnt einzusehen, daß sie, um standhaft zu bleiben, kurz und bündig sprechen muß:) Warum sollten Sie das wohl, bitte?
(Dr. Valentine läßt absichtlich eine Gefühlsbewegung in seiner Stimme zittern:) Natürlich werde ich das nicht! Ich bin kein solcher Esel! —Und doch sagt mir mein Herz, daß ich heulen würde—mein närrisches Herz. Aber ich will ein ernstes Wort mit meinem Herzen reden und es zur Vernunft bringen. Und liebte ich Sie tausendmal, so will ich der Wahrheit dennoch standhaft ins Antlitz sehen… Ist ja doch auch ganz leicht, vernünftig zu sein… Tatsachen sind Tatsachen. Wo sind wir hier? Nicht im Himmel, sondern im Marine-Hotel! Die Zeit ist nicht die Ewigkeit, sondern halb zwei Uhr nachmittags. Was bin ich? Ein Zahnarzt—ein Fünf-Schilling-Zahnarzt!