(Dr. Valentine überwältigt:) Wahrhaftig, Frau—(Sich erholend:) Es würde mich mehr als stolz machen, wenn Sie es wären.
(Frau Clandon.) Ich danke Ihnen, Herr Doktor; aber ich bin zu alt, jetzt nach damit anzufangen.
(Dr. Valentine.) Anzufangen?!… Haben Sie nie—?
(Frau Clandon.) Niemals. Mein Schicksal ist sehr alltäglich gewesen. Ich habe geheiratet, bevor ich alt genug war, zu wissen, was ich eigentlich tat. Wie Sie sich selbst überzeugt haben, war die Folge davon eine bittere Enttäuschung für uns beide, für meinen Mann und für mich. So kommt es, daß ich, trotzdem ich verheiratet bin, niemals verliebt war… ich habe in meinem ganzen Leben keine einzige Liebesangelegenheit gehabt. Und um ganz aufrichtig zu sein, Herr Doktor, was ich von den Liebesangelegenheiten anderer gesehen habe, hat nicht dazu beigetragen, mich diesen Mangel bedauern zu lassen. (Dr. Valentine, der sehr verdrießlich dreinschaut, blinzelt skeptisch nach ihr hin und sagt nichts. Sie errötet ein wenig und fügt mit unterdrücktem Ärger hinzu:) Sie glauben mir nicht.
(Dr. Valentine bestürzt, da er seine Gedanken erraten sieht:) Aber, warum denn nicht… warum nicht?
(Frau Clandon.) Lassen Sie sich sagen, Herr Doktor, daß ein der Menschheit gewidmetes Leben Begeisterungen bietet und Leidenschaften kennt, die bei weitem die selbstsüchtigen Verblendungen und Sentimentalitäten eines Liebesromanes übersteigen. Ihre Begeisterungen und Leidenschaften—sind das nicht, nicht wahr? (Dr. Valentine weiß wohl, daß Frau Clandon ihn deswegen geringschätzt, und antwortet negativ mit melancholischem Kopfschütteln.) Ich dachte mir's. —Nun, dafür bin ich im Nachteil, wenn ich diese sogenannten Herzensangelegenheiten besprechen muß, in denen Sie ein Fachmann zu sein scheinen.
(Dr. Valentine unruhig:) Worauf spielen Sie an, Frau Clandon?
(Frau Clandon.) Ich glaube, Sie wissen es.
(Dr. Valentine.) Gloria?
(Frau Clandon.) Ja, Gloria.