(Dr. Valentine.) Das gründlich altmodische Mädchen. Wenn Sie Gloria in der ehemals üblichen Weise erzogen hätten, so würde ich achtzehn Monate gebraucht haben, um so weit zu kommen, wie ich heute nachmittag in achtzehn Minuten gekommen bin.—Ja, Frau Clandon: die Frauenemanzipation hat Gloria in meine Hände geliefert, und Sie waren es, die sie den Glauben an die Frauenemanzipation gelehrt hat.
(Frau Clandon erhebt sich:) Herr Doktor, Sie sind sehr gescheit.
(Dr. Valentine erhebt sich gleichfalls:) Oh, Frau Clandon!
(Frau Clandon.) Aber Sie haben mich nichts Neues gelehrt. Adieu.
(Dr. Valentine erschrocken:) Adieu?!—Oh, darf ich sie nicht sehen, bevor ich gehe?
(Frau Clandon.) Ich fürchte, sie wird erst zurückkommen, wenn Sie gegangen sind, Herr Doktor. Sie hat das Zimmer eigens verlassen, um Ihnen auszuweichen.
(Dr. Valentine gedankenvoll:) Das ist ein gutes Zeichen. Adieu. (Er verneigt sich und wendet sich offenbar sehr befriedigt zur Tür.)
(Frau Clandon beunruhigt:) Warum halten Sie das für ein gutes Zeichen?
(Dr. Valentine dreht sich in der Nähe der Tür um:) Weil ich eine Todesangst vor ihr habe; und es scheint, daß sie eine Todesangst vor mir hat. (Er will nun gehen, steht aber an der Türschwelle plötzlich Gloria gegenüber, die eben eingetreten ist. Sie sieht ihm standhaft ins Auge. Er starrt sie hilflos an, dann suchen seine Blicke Frau Clandon, dann wieder Gloria; er ist vollkommen außer Fassung.)
(Gloria bleich und sich nur mühsam beherrschend:) Mutter, ist es wahr, was Dolly mir gesagt hat?