In Zell hatte ein Adelsberger Mann für seine niedergekommene Frau ein Fäßlein guten Weins gekauft, und wollte es in der Nacht heimtragen. Unterwegs sah er aus der Ferne einige Frauen herbeikommen, die er an ihren weißen Schleiern für Fronfastenweiber erkannte. Schnell verbarg er das Fäßlein in den Weggraben und sich selbst eine Strecke davon hinter eine Staude. Als die Weiber zu dem Fäßlein kamen, lagerten sie sich um dasselbe, tranken lustig daraus und entfernten sich erst nach einer guten Weile. Betrübt ging nun der Mann zu dem Fäßlein, welches er halb ausgetrunken wähnte; allein beim Aufladen fand er es nur wenig leichter geworden. Zu Hause zapfte er lange Zeit daraus, und als es gar nicht leer werden wollte, schaute er endlich hinein: da war nichts mehr darin. Ohne das Hineinsehen wäre aber das Fäßlein niemals leer geworden.
21.
Brennende Männer.
Auf den Matten und Äckern des Wiesenthales erscheinen in manchen Nächten brennende Mannen, die bei ihren Lebzeiten durch Versetzung der Marksteine ihre Grundstücke betrügerisch vergrößert haben. Mit Blitzesschnelle fahren sie von einem Ort zum andern, springen den Leuten, die etwas tragen, darauf, und lassen sich mit fortschleppen. Einem Bauer von Freiatzenbach, welcher mit einem Sacke Mehl aus der Zeller Mühle heimging, setzte sich ein solches Gespenst auf den Sack und ließ sich, immer schwerer werdend, bis an dessen Hausthüre tragen. Als dieselbe auf des Bauers Klopfen von seiner Frau geöffnet worden, rief letztere aus: »Was Teufels hast du denn auf dem Sacke?« Da verließ das Gespenst den Bauer, welcher wohl gemerkt hatte, daß er außer dem Mehle noch einen brennenden Mann auf dem Rücken habe.
22.
Goldtinktur.
Vor sechszig Jahren lebte in Käsern ein Mann, welcher die Goldtinktur aus Amerika mitgebracht hatte. Er arbeitete nichts, lag Tag und Nacht in den Wirthshäusern und spielte um Goldstücke, die sein gewöhnliches Geld waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen Eisenstäbchen, verwandelte sie durch Bestreichung mit der Tinktur in Gold und ließ sich daraus in Basel Münzen schlagen.
23.
Geist unter der Hölzlesbrücke.
Unter dieser Brücke muß eine Vierthälerin als nächtlicher Geist waschen, weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags gethan hat. Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und tüchtig gewaschen und gestrehlt.