Vor neun Jahren kam am Engel zu Sitzenkirch ein Basler Herr mit seinen erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, angefahren und fragte unverweilt nach einem Knaben, der sie auf die Sausenburg führe. Mit demselben gingen sie dann hinauf, wobei sie selbst eine Schachtel trugen, die sie mitgebracht hatten. Oben angekommen, knieeten die Drei von Basel zum Gebet nieder und ließen nachher aus der Schachtel ein Eichhörnchen laufen. Hierauf begaben sie sich in den Engel zurück und fuhren, nachdem sie eine Flasche Wein getrunken, wieder hinweg. Diese Geschichte verursachte in der Gegend viel Gerede. Manche sagten, das Eichhörnchen sey die weiße Jungfrau gewesen, die der Basler in seiner Gewalt gehabt und wieder freigelassen habe; Andere dagegen erklärten dasselbe für einen Hausgeist, welcher in diese Gestalt beschworen und auf das Schloß gebannt worden sey.

28.

Kraft des Wolfssegens.

Als in den Waldungen der Sirnitz noch Wölfe hausten, pflegte ein Schafhirt, welcher dort seine Heerde weidete, täglich beim Austreiben unterm freien Himmel niederzuknieen und den Wolfssegen zu beten. In Folge dessen ließen die Wölfe nicht allein die Schafe unangefochten, sondern sie mischten sich sogar unter sie und thaten mit ihnen ganz freundlich. Wenn der Hirt sie fort haben wollte, so durfte er nur mit seiner Peitsche knallen: sie liefen dann ungesäumt weg und kamen an demselben Tage nicht wieder. Für ihr gutes Verhalten mußte ihnen jedoch aus der Heerde ein Opfer überlassen werden. Dazu bestimmte der Schäfer eine junge Ziege, die er mit einer Schafglocke behängte und seiner Heerde zugesellte. Als sie hübsch groß und fett geworden, sah eines Tages ein Wolf, der neben ihr saß, bald sie mit gierigen, bald den Hirten mit bittenden Augen an. »So nimm sie denn!« dachte dieser bei sich, und im Augenblick faßte der Wolf die Ziege, erwürgte sie und, nachdem er dreimal mit ihr im Kreis herumgesprungen, warf er sie auf seinen Rücken und jagte dem Wald zu. Alle andern Wölfe rannten ihm nach, und als sie tief im Gehölz waren, theilten sie getreulich unter sich ihr Opfer.

29.

Kind von Gold.

Am Mittag wollte ein Bursch, der einsam auf dem Limberg Geißen hütete, sich auf einen Steinhaufen zum Essen setzen, da sah er auf demselben ein kleines Kind liegen, welches ganz von Gold war. Voll Freude hob er es auf, wickelte es in seine Jacke und trieb dann sein Vieh heimwärts. Nicht lange, so blieben einige Geißen zurück, er legte seinen Fund ab und holte sie schleunig herbei. Nun wollte er das Kind wieder nehmen, aber obgleich Niemand auf den Platz gekommen, war es verschwunden.

Nach der Aussage einer Münsterthaler Frau, die sich des Erdspiegels bedient, liegt das goldene Kind jetzt im Limberg; es wird aber noch von einem gefunden, welcher eine weiße Wolljacke anhat.

30.

Kreuz zu St. Trutbert.