In St. Trutbert ist ein silbernes Kreuz, beiläufig zwei Schuh hoch, das auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der andern den weltrichtenden Heiland zeigt, und einen Kreuzpartikel einschließt. Dasselbe nahmen einmal die Gläubiger des Klosters weg, um sich bezahlt zu machen; allein sie konnten es nur bis Kropbach, durchaus nicht weiter, bringen. Auf Dieses gaben sie es dem Kloster zurück und erließen demselben seine ganze Schuld.
31.
Geld in Asche verwandelt.
Im Münsterthal stieß einst ein Mädchen beim Graben auf einen Hafen voll Silbermünzen. Ungesäumt trug sie ihn heim, fand aber dort, statt des Geldes, lauter Asche darin. Hätte sie, gleich bei Findung der Münzen, etwas Geweihtes darauf gelegt, so würden sich dieselben nicht mehr haben verwandeln können.
32.
Brandkorn wird zu Gelde.
In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mädchen und sein Bruder, aus dem Münsterthal zu einem reichen Bauer und baten ihn um Brod. Barsch abgewiesen, warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch zum Fenster hinaus ausgeschüttelt wurde, wo sie dann die Bröslein auflasen und verzehrten. Hierauf gingen sie in die Scheuer, worin gedroschen ward, und suchten die Brandkörner zusammen, um sie ihren Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mädchen die Schürze und dem Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer, und als sie sie zu Hause ausleerten, fiel zu ihrer und ihrer Eltern großen Freude lauter Geld heraus. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte, ließ er die übrigen Brandkörner auch sammeln und aufbewahren; allein dieselben wollten sich nicht in Geldstücke verwandeln.
33.
Messen nachgeholt.
Zu Staufen schlief einmal ein Knabe unter dem Abendgottesdienst ein und wurde beim Zuschließen der Kirche nicht bemerkt. Er erwachte erst in Mitte der Nacht und sah am Altar einen Geistlichen im Meßgewand, der ihm winkte, hinzukommen. Unerschrocken ging der Bube zu ihm und diente, auf dessen Begehren, ihm Messe. Als sie zu Ende war, sagte der Priester dem Knaben, er solle morgen um dieselbe Zeit sich wieder hier einfinden. In der Frühe vom Küster aus der Kirche gelassen, offenbarte der Bube das Geschehene alsbald dem Pfarrer, der ihm rieth, dem Begehren des Geistes in Allem zu willfahren, demselben jedoch, wenn er sich bedanke, nicht die Hand, sondern den rechten Rockflügel zu reichen. Diesem folgend, diente der Knabe in der nächsten Nacht dem Priester abermals Messe und, auf dessen Bestellung, auch in der dritten Nacht. Nachdem das letzte Evangelium gelesen war, sprach der Geist zu dem Buben Folgendes: »Aus meinem Leben her war ich noch schuldig, drei Messen zu lesen, und ich konnte nicht zur ewigen Ruhe gelangen, bis ich sie abgehalten. Durch Dich ist mir dieses nun möglich geworden; ich danke Dir dafür und gehe jetzt ein in die Seligkeit, wohin Du mir bald folgen wirst.« Hierauf legte er seine Hand auf den Rockflügel, welchen der Knabe ihm hinhielt, und verschwand. In den Rock hatte sich die Hand schwarz eingebrannt, weßhalb er, als Merkwürdigkeit, in der Kirche aufbewahrt wurde. Der Bube war fortan stets in sich gekehrt und bereitete sich zu seinem Tode, welcher auch in kurzer Zeit erfolgte.