Bei einem Einfall in Deutschland kamen die Hunnen nach Schlatt, zerstörten das Frauenkloster bei dem Heilbrunnen und den größten Theil des Dorfes. Zwischen diesem und dem Rheine trafen sie das Heer der Deutschen und erlitten eine völlige Niederlage. Ihr Fürst fiel in der Schlacht; er wurde von ihnen in einen goldenen Sarg gelegt, den ein silberner und letzteren ein hölzerner umschloß, und mit seinen Schätzen und einem lebensgroßen goldenen Götzenkalb drei Stunden von der Hochstraße beerdigt. Über dem Grabe errichteten sie einen mächtigen Hügel und rechts und links, in geringen Entfernungen, je einen kleinern, damit die Feinde nicht wissen sollten, wo der Fürst begraben sey. Noch immer ist dieser mit allen den Kostbarkeiten unaufgefunden. Auf dem Schlachtfelde läßt in manchen Nächten Kampfgeschrei und Waffengetös unsichtbarer Streiter sich hören[4].

[4] Diese Erzählung ist genauer, als die unter Nr. 41 des Hauptwerkes mitgetheilte.

37.

Geistige Nonne.

Die Stifterin des ehemaligen Klosters der Lazaristinnen zu Schlatt erscheint noch dort in manchen Nächten. In ihrer Ordenstracht, mit goldglänzenden Schuhen, geht sie schweigend, die Hände übereinander gelegt, von dem Platze des Klosters durch das Herrengäßlein in die Herrenreben. Wer ihr über seine rechte Schulter nachschaut, dem verschwindet sie sogleich, wer es aber über die linke thut, der sieht sie bis in die erwähnten Reben.

38.

Geld sonnt sich.

Während der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. »Heute ist der erste März, da sonnen sich die Schätze,« sprach einer von ihnen und eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thönerne Scherben und nahm einige zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stücke, deren er etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am nächsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene Silbermünzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben mehr und keine Geldstücke.

39.

Geldmännlein.