Der Wolfsstein.
Auf dem Happersberge ward einmal ein weidender Ochse von einem Wolf angefallen. Er nahm ihn aber auf die Hörner und drückte ihn so lange an einen Felsen, bis er (der Wolf) todt war. Seit dieser Zeit wird der Felsen der Wolfsstein genannt.
99.
Knorr.
Bei seinen Lebzeiten war Knorr Zollbeamter im badischen Murgthal, wo er einen hohen Zoll auf die Frucht legte und dadurch die Leute schwer bedrückte. Zur Strafe hierfür muß er seit seinem Tode, ohne Hoffnung auf Erlösung, daselbst umgehen, besonders zu Gernsbach in seinem Hause, in der daran stoßenden Mistgasse und auf der dortigen Murgbrücke. Er zeigt sich nur in fruchtbaren Jahren, vom Abendgeläute bis zur Frühglocke, aber in allerlei Gestalten, namentlich als Jäger, altes Weib mit langen, herabhängenden Haaren, Bär, Stier, Pferd, Esel, Kalb, großer, schwarzer Hund mit mächtigen Feueraugen, Schwein, Bock, weiße Ziege, Schaf, Katze, Gans, große Schlange und Wergbund. Die Leute zu foppen, ist seine Gewohnheit, daher man am besten thut, wenn man ihn trifft, stillschweigend an ihm vorbeizugehen, damit er keine Gewalt über einen bekomme.
Eine Gernsbacher Frau, der er sich als Esel über einen Waldpfad legte, wollte ihn schimpfend mit dem Fuße wegstoßen; da sprang er ihr auf den Rücken und ließ sich bis an die Stadt tragen.
Ebenso mußte ihn ein Mann aus Forbach, welchem er sich als Kalb aufsetzte, bis unter die Dachtraufe seines Hauses schleppen.
Auch in Hilpertsau, Obertsroth, auf der Gernsbacher Brücke, hat er sich schon als Schaf oder Hund von spät Heimgehenden huckeln lassen.
Auf einem Brücklein zwischen Staufenberg und Gernsbach packte einmal ein Mann ein einzelnes Schwein auf; aber plötzlich stand er im Wasser, und das Schwein, welches der Knorr gewesen, war verschwunden.
Beim Heimgehen nach dem Ausrufen sah einst der Weißenbacher Nachtwächter am Pfarrhaus ein Gebund Werg liegen, das er aufhob und unter seinen Rock stecken wollte. Da bemerkte er, daß das Werg ein Paar Augen bekomme, und der Knorr sey, weßhalb er es eilig hinwegwarf.