Als ein solches Gebund hat Knorr auch auf der Hilpertsauer Brücke sich sehen lassen und vor Darübergehenden hin und her gewälzt. An dieser Brücke stand früher ein kleines Haus, welches das Knorrhäuslein genannt wurde.
Wenn er als Katze erscheint, rollt er sich zuweilen den Leuten unter die Füße, daß sie über ihn fallen, und auch in andern Thiergestalten legt oder stellt er sich ihnen häufig in den Weg, und wenn sie ihm ausweichen, ist er öfters gleich wieder hart vor ihnen.
Vor manchen ist er schon im Zickzack hergelaufen; viele sind von ihm irregeführt, mehrere beohrfeigt und andere mit Gewalt in die Murg gestellt worden.
100.
Der Grafensprung.
(Abweichung von Nr. 160 des Hauptwerkes.)
Auf der Burg Neueberstein waren einmal drei Grafen und Brüder, welche über die Theilung ihrer Güter lange nicht einig werden konnten. Endlich kamen sie überein, daß derjenige von ihnen sie alle erhalten solle, der den steilen Abhang des Schloßbergs gegen die Murg drei Mal hinauf und herab reiten werde. Der Jüngste unternahm es zuerst und gelangte zwei Mal glücklich hinauf und herunter; beim dritten Aufritt aber stürzte er mit dem Pferd in die Tiefe und brach das Genick. Hierdurch abgeschreckt, verglichen sich die beiden andern in brüderlicher Weise; auch nahmen sie, zum immerwährenden Andenken, in ihr Wappen drei Männer auf, deren einer ohne Kopf ist. Von dem Vorgange trägt der Abhang den Namen Grafenries oder Grafensprung.
101.
Erdweiblein.
Die Erdweibleinshöhle im kleinen Lautenfelsen trägt diesen Namen wegen der Erdweiblein, welche vordem darin wohnten. Zwei von ihnen, holdselige Mädchen, pflegten Abends mit ihren Spindeln nach Lautenbach in die Spinnstube und, wenn Tanz war, auch zu diesem zu kommen. Stets aber gingen sie vor Mitternacht weg, weil sie über dieselbe nicht ausbleiben durften. Einst, beim Fortgehen, wurden sie von einem Anwesenden gefragt, was sie in ihren hinaufgebundenen Schürzen hätten, worauf die eine antwortete: