B. 42. Die Jungfrau mit dem Affen.
Heller setzt diesen Kupferstich unter die Arbeiten Dürer’s aus der Periode von 1500 bis 1506, und es ist nicht zu läugnen: daß derselbe in Behandlung der Kräuter im Vorgrunde an ältere Stiche unsers Meisters, namentlich an die Jungfrau mit der Heuschrecke, B. 44, erinnert; auch spricht dafür die davon durch Marc Anton gestochene, noch mit dem Monogramm Dürer’s bezeichnete Copie.
Auffallend ist indeß dabei: daß das hohe Haus in der Landschaft unzweifelhaft einer colorirten Studie nach der Natur entnommen ist, welche jetzt im British Museum in dem Privat-Zimmer des Directors des Printroom hängt, und von Dürer’s Hand bezeichnet »weyß Hauß« ganz mit den colorirten Naturstudien übereinstimmt, welche noch von unsers Meisters Reise nach Italien erhalten sind.
Das Blatt ist in den nicht häufigen, zuweilen aber besonders schönen Abdrücken, welche am frühesten auf Papier mit dem Ochsenkopf, sonst auch mit der hohen Krone, vorkommen, ein besonderer Liebling der Sammler.
Bei der ungewöhnlichen Höhe der Platte, von 7 Zoll, findet man mehrfach Abdrücke, welche unten um fast zwei Linien, bis nahe an den Fuß des Monogramms verschnitten sind, wodurch der Büschel des Affenschwanzes verloren gegangen ist, wahrscheinlich um dieses Blatt in den alten Klebe-Büchern mit andern von gleicher Grösse, wie B. 2 und 26 auszugleichen. — Die mehrfach geäußerte Ansicht: daß die Kupferplatte späterhin um so viel verschnitten sei, beruht indeß auf einem Irrthume, denn es kommen matte Abdrücke von der sehr abgenutzten Platte vor, welche die normale Größe haben.
Dieser Stich gehört übrigens zu denen, deren Abdrücke unserm Meister nicht immer gelungen sind, es giebt davon alte sehr kräftige Drucke, welche, ohne sichtlich bei dem Durchlaufen durch die Presse verschoben zu sein, doch Klarheit und Reinheit vermissen lassen.
B. 43. Die heilige Familie.
Auch dieses geritzte Blatt setzt Heller in die Periode vor der Italienischen Reise, mir scheint indeß diese vielleicht nur auf das Fehlen des Monogramms und der Jahrszahl begründete Angabe höchst unwahrscheinlich, da alle übrigen Arbeiten Dürer’s mit der kalten Nadel in die Jahre 1510 und 1512 fallen.
Vollkommen schöne Abdrücke dieses, dann sehr malerischen Blattes, gehören zu den allergrößten Seltenheiten. Die ersten erkennt man an der vollkommenen Reinheit der Platte von allen Kritzeln, und der großen Deutlichkeit der nur leicht angeritzten Landschaft mit Gebäuden auf einem Berge im Hintergrunde, es giebt indeß von diesem ersten Etat einzelne Abdrücke, welche, vielleicht in Folge zu starken Abputzens der Platte vor dem Druck, nicht die malerische Wirkung einzelner schöner Abdrücke des zweiten Etats haben. — Diese zweiten Drücke erkennt man an einem Nadelkritzel in der Platte, welcher in schräger Richtung auf dem Gesichte der Jungfrau den untern Theil der Nase und den linken Mundwinkel berührt. — Die früheren Abdrücke dieser Art, bei denen die, später immer undeutlicher werdende, Landschaft im Hintergrunde noch vollkommen klar ist, sind an Grabstichel-Versuchen kenntlich, welche sich oben links in der Platte befinden.
Die späteren Abdrücke haben mehrere Kritzeln, welche in verschiedenen Richtungen rechts unten das Holzwerk der Rasenbank, so wie das Gesicht und den Bart Josephs, auch die Stirn des Christus-Kindes durchschneiden. Solche Abdrücke kommen schon auf Papier mit dem Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 14, und 11 Linien Abstand der Drathlinien vor. — Die spätesten Abdrücke sind grau und rußig, auch nicht selten.