Das Kronen-Papier scheint dabei von doppelter Größe gewesen zu sein, denn man trifft die großen Blätter, welche meist auf diesem Papier gedruckt sind, nicht selten ohne Wasserzeichen, jedoch auf Papier, welches den übrigen Kennzeichen nach jenem ganz gleicht. Besonders ist dieses bei den größeren Blättern aus der Periode von 1513 bis 1520 der Fall, wo das Ochsenkopf-Papier von kleinerem Format nicht mehr verwendet wurde. Man könnte veranlaßt werden zu vermuthen: daß Dürer in dieser Periode Papier-Sorten ohne Wasserzeichen gebraucht hätte, wenn man nicht bei den Holzschnitten sowohl, als bei den Handzeichnungen aus dieser Zeit fast immer Wasserzeichen fände.
Bei dem Papiere mit dem Henkelkruge kommt noch der Umstand hinzu: daß das sehr kleine Wasserzeichen sich nicht in der Mitte des Bogens, sondern an der Seite befindet, und daher häufig mit dem Papierrande verschwunden ist.
Da, wo ich auf den Abdrücken einzelner Blätter kein Wasserzeichen habe wahrnehmen können, sind von mir die Entfernungen der Drathstriche, in sofern sie sichtbar waren, angegeben, da solche immer einige Anhaltspunkte gewähren.
Im Allgemeinen kann man bei Beurtheilung der Papier-Sorten als Regel annehmen: daß die ältesten die festesten, oder doch von besonders sorgfältig gewählter Masse sind. Ihre Drathstriche haben dabei eine größere Entfernung von einander. Mit dem allmählichen Geringerwerden der Güte der Masse schwindet auch in der Regel der Abstand dieser Drathstriche, welcher von 16 Linien und darüber bis unter 11 Linien herabsinkt.
Um nun auf die einzelnen Kupferstiche und Radirungen überzugehen, so glaube ich, ohne die von Young Ottley[4] und Heller[5], auf eine meines Erachtens nicht glückliche Weise, versuchte Bestimmung der Priorität jedes einzelnen Blattes unternehmen zu wollen, doch — als der Ersten Periode angehörend — die folgenden 30 Blätter bezeichnen zu dürfen, bei deren Nummern ich, wie bei allen folgenden, diejenigen des Peintre Graveur von Bratsch angenommen habe, welches Handbuch in Beziehung auf Albrecht Dürer noch immer das sicherste bleibt. Dieses sind: B. Nr. 1, 2, 28, 29, 30, 34, 42, 44, 55, 56, 63, 68, 69, 75, 76, 78, 80, 81, 82, 83, 85, 86, 88, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 101. —
Young Ottley nimmt bei seiner Ordnung der Dürer’schen Blätter für diesen ersten Zeitabschnitt eine weit größere Zahl (46 Blatt) an, da er ohne genügenden Grund alle diejenigen Stiche dahin rechnet, denen die Jahreszahl fehlt.
Dürer ist aber bei der Bezeichnung seiner Arbeiten in dieser Beziehung durchaus nicht gleichmäßig verfahren.
Wenn auch die Kupferstiche, welche er nach der Rückkunft aus den Niederlanden arbeitete, sämmtlich mit der Jahreszahl versehen sind, so geschah dieses vor der Reise dorthin keinesweges unbedingt; wie solches sich bei mehreren Kupferstichen, besonders auch durch die Bezeichnung zahlreicher Skizzen und Zeichnungen, nachweisen läßt, welche unverkennbar dieser zweiten Periode angehören. Auch der wiederholt gemachte Versuch, durch die Form des Monogramms die Zeit der Anfertigung bestimmen zu wollen, führt nur bei einigen der frühesten Blätter zu einem genügenden Resultate.
Kein Meister ist wohl so verschieden wie Dürer in der Zeichnung seiner Monogramme gewesen, welche — obwohl durch einen gewissen allgemeinen Character, bei einiger Uebung sehr wohl von den häufigen Nachbildungen derselben zu unterscheiden — besonders bei seinen Zeichnungen höchst abweichend von einander sind, und häufig in Beziehung zu der mehr oder minderen Ausführung der Arbeit stehen.
Auch Heller hat in seinen ersten beiden Abtheilungen, welche den von mir angenommenen Zeitraum begreifen, 7 Blätter mehr als ich aufgeführt. Ueber einige derselben kann die Ansicht zweifelhaft sein, doch werde ich es bei den einzelnen Blättern versuchen, die Verweisung in die zweite Periode zu rechtfertigen.