Dürer ist aber bei der Bezeichnung seiner Arbeiten in dieser Beziehung durchaus nicht gleichmäßig verfahren.
Wenn auch die Kupferstiche, welche er nach der Rückkunft aus den Niederlanden arbeitete, sämmtlich mit der Jahreszahl versehen sind, so geschah dieses vor der Reise dorthin keinesweges unbedingt; wie solches sich bei mehreren Kupferstichen, besonders auch durch die Bezeichnung zahlreicher Skizzen und Zeichnungen, nachweisen läßt, welche unverkennbar dieser zweiten Periode angehören. Auch der wiederholt gemachte Versuch, durch die Form des Monogramms die Zeit der Anfertigung bestimmen zu wollen, führt nur bei einigen der frühesten Blätter zu einem genügenden Resultate.
Kein Meister ist wohl so verschieden wie Dürer in der Zeichnung seiner Monogramme gewesen, welche — obwohl durch einen gewissen allgemeinen Character, bei einiger Uebung sehr wohl von den häufigen Nachbildungen derselben zu unterscheiden — besonders bei seinen Zeichnungen höchst abweichend von einander sind, und häufig in Beziehung zu der mehr oder minderen Ausführung der Arbeit stehen.
Auch Heller hat in seinen ersten beiden Abtheilungen, welche den von mir angenommenen Zeitraum begreifen, 7 Blätter mehr als ich aufgeführt. Ueber einige derselben kann die Ansicht zweifelhaft sein, doch werde ich es bei den einzelnen Blättern versuchen, die Verweisung in die zweite Periode zu rechtfertigen.
Zu dieser zweiten Periode zähle ich: B. Nr. 3 bis 18, 19 bis 26, 31 bis 33, 35 bis 41, 43, 48, 50, 53, 54, 57, 58 bis 62, 64 bis 67, 70 bis 74, 77, 79, 84, 87, 89, 90, 91, 98, 99, 100, 102.
Die dritte Periode enthält nur die Kupferstiche B. 46, 47, 49, 51, 52, 103, 104, 105, 106 und 107.
Das Jahr, in welchem Albrecht Dürer zuerst in Kupfer gestochen hat, ist bis jetzt nicht ermittelt; doch muß man annehmen: daß er — als Goldschmiedslehrling, mit der Kunst in Metall zu graben, bekannt geworden — durch die vortrefflichen Kupferstiche der Meister des fünfzehnten Jahrhunderts schon früh veranlaßt gewesen sein wird, sich selbst in der Kupferstecher-Kunst zu versuchen.
Da er bereits im Jahre 1498 das große Holzschnitt-Werk der Apokalypse vollendet hatte, so ist es höchst wahrscheinlich, daß einzelne Kupferstiche von ihm noch vor dieser Zeit gearbeitet sein werden, wenngleich ich auf den gewöhnlich dafür angeführten Beweis, die Jahreszahl 1497 auf dem Kupferstich der »Vier nackten Frauen«, B. 75, ein zu großes Gewicht nicht legen möchte; da die Bemerkungen des Herrn Dr. Nagler über dieses Blatt, im dritten Hefte seiner Monogrammisten, pag. 168, Nr. 33, wohl beachtet zu werden verdienen.
Wenn der in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in Dresden vorhandene Abdruck der Bekehrung Pauli wirklich, wie der verstorbene Director Frenzel es darzuthun unternommen hat[6], von einer Kupferplatte Albrecht Dürer’s herrührt, so möchte dieses allerdings wohl der erste Versuch gewesen sein.