Obgleich einige Verwandtschaft dieser Bekehrung Pauli mit einzelnen Figuren und Anordnungen der Apokalypse zugegeben werden muß, auch ähnliche Reutergestalten auf einer früheren Zeichnung Dürer’s vom Jahre 1489 in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen vorkommen, so läßt doch eine gewiße widerwärtige, dem Dürer sonst nicht eigene Rohheit dieses Blattes und die Schwäche der Landschaft, namentlich der Architectur in derselben, gerechten Zweifeln Raum.

Besonders möchte auch schwer zu erklären sein: wie die Zartheit der Kupferstiche des Meisters vom Jahre 1466 und des Martin Schongauer gar keinen Einfluß auf den angehenden Künstler ausgeübt haben sollten.

Ist diese Platte wirklich von Dürer gestochen, so muß es in sehr jungen Jahren geschehen sein, denn im Jahre 1494 bewies er sich schon in der schönen Zeichnung, durch welche er seine Aufnahme als Meister bewirkte, jetzt in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg, als einen Künstler von so feinem Naturgefühl und so genauem Studio des Landschaftlichen, daß er einen Stich, wie den der Bekehrung Pauli, gewiß nicht mehr gearbeitet haben würde.

Der Abdruck in Dresden ist restaurirt und aufgezogen, daher ich über das dazu verwandte Papier keine Beobachtungen zu machen im Stande gewesen bin.

Zu den frühesten Dürer’schen Stichen gehört jedenfalls auch der große Courier, B. 81, wenn er überall von der Hand unseres Meisters herrührt, worüber — wohl nicht ohne Grund — bedeutende Zweifel obwalten.

Einige Uebereinstimmung mit diesem, besonders aber mit der vorhin erwähnten Zeichnung vom Jahre 1489 hat das von Bartsch unter Nr. 92 »le Violent« genannte Blatt, welches auch ohne Monogramm ist und jedenfalls zu den Erstlingen seiner Leistungen als Kupferstecher gehört.

Der nur in Contouren angelegte Hintergrund der Landschaft und die eckige Behandlung des Strauchwerks sind Eigenthümlichkeiten, welche auf der erwähnten Zeichnung ebenfalls vorhanden sind, auf späteren Stichen Dürer’s so aber nicht wieder vorkommen.

Diesem Stiche dürfte sich am nächsten, B. 44, »die heilige Familie mit dem Schmetterlinge« (richtiger der Heuschrecke) anschließen, welcher ebenfalls dem 15. Jahrhunderte angehören muß, da Israel von Meckem, welcher 1502 starb, davon eine Copie gestochen hat.

Der Form des Monogramms nach wird die »Liebes-Erbietung«, B. Nr. 93, etwa auf das vorstehende Blatt folgen; hier finden wir bei mancher Rohheit des Stiches doch schon eine größere Ausbildung der Landschaft und auch eine sorgfältigere Behandlung der Gesträuche.

Weiter die Priorität der einzelnen Stiche mit einiger Sicherheit zu verfolgen, halte ich für sehr schwierig, und ziehe es, besonders auch der bequemen Uebersichtlichkeit wegen, vor, meine Bemerkungen über die einzelnen Blätter nach den Nummern des Peintre graveur von Bartsch folgen zu lassen.