Höchst selten trifft man diesen Kupferstich in vollendeter Erhaltung des Papiers; selbst in den berühmtesten Sammlungen sieht man geflickte oder unterlegte Exemplare.

Diese Zerbrechlichkeit liegt unstreitig in der Feinheit des Papiers mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes Nr. 1, welches ich ausschließlich bei alten Drucken dieses Blattes angetroffen habe, und ich halte diese für den hauptsächlichsten Grund, weshalb Dürer späterhin, namentlich bei seinen großen Blättern, das weit haltbarere Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone zu verwenden pflegte.

Die Platte ist übrigens späterhin noch abgedruckt, denn ich habe matte Abzüge auf Papier mit dem Wasserzeichen zweier verbundener Thürme, wie einzelne recht schlechte Abdrücke des stark abgenutzten Kupfers angetroffen.

B. Nr. 2. Die Geburt Christi 1504.

Weit seltner als das vorhergehende Blatt, ist dieser in schönen Drücken höchst malerische Stich, von Dürer als »die Weihnachten« bezeichnet und von ihm ebenfalls zu Geschenken verwandt.

Die ausgezeichneten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes Nr. 1.

B. 3 bis 18. Das Leiden Christi.

Christus am Fuße des Kreuzes von den Seinen beweint, vom Jahre 1507, B. 14, ist der erste Stich, welchen Dürer nach seiner Rückkunft von Venedig gearbeitet hat, daran reihen sich die im Jahre 1508 gestochenen »Christus im Oelgarten«, und »die Gefangennehmung«, B. 4 und 5, »der Schmerzensmann« vom Jahre 1509, B. 9, »die Kreuzigung« vom Jahre 1511, B. 13, die Blätter B. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 15, 16 und 17 vom Jahre 1512, endlich B. 18 vom Jahre 1513.

Vergleicht man die einzelnen Blätter unter einander, so tritt das älteste, B. 14, wesentlich gegen die übrigen zurück, wogegen die Stiche vom Jahre 1508 mit zu den schönsten der ganzen Folge gehören, übrigens sind auch unter den Blättern vom Jahre 1512 einige, z.B. B. 7, 8 und 11, welche in malerischer Wirkung der Abdrücke gegen die übrigen zurückstehen.

Dürer hat ohne Zweifel einzelne Stiche dieser Folge verkauft, ehe das ganze Werk vollendet war, auch scheinen mehrere der Blätter, namentlich B. 3, 13 und 17, welche sich besonders zu dem damals gebräuchlichen Einlegen in die Gebetbücher eigneten, bedeutend häufiger als die übrigen abgedruckt zu sein, da in den vollständigen Exemplaren dieser Folge, auch in den sonst gleichmäßigsten, diese drei Stiche häufig matter zu sein pflegen als die übrigen. Eine Ausnahme davon macht indeß das wundervolle Exemplar in der Königlichen Kupferstich-Sammlung in Copenhagen, wo grade diese Abdrücke fast die schönsten sind.