Dieses schöne Werk, von Dürer in seinem Tagebuche »die Passion in Kupffer« genannt und für 10 Stüber (einen halben holländischen Gulden) verkauft, hat sich vielfach in guten Abdrücken bis auf unsere Zeiten erhalten, zu den Seltenheiten gehören indeß ganz gleichmäßige Exemplare.
Einzelne sehr schöne Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich bei den guten recht gleichmäßigen Abdrücken des ganzen Werkes in der Regel immer Papier mit der hohen Krone angetroffen, und glaube daher: daß diejenigen von Dürer auf seiner Reise in den Niederlanden verkauften, nach seinem Tagebuche recht zahlreichen Exemplare, auf diesem Papier abgedruckt sein werden.
Das Berliner Kupferstich-Cabinet und die vortreffliche Dürer-Sammlung des Herrn Commeter in Hamburg bewahren wohlerhaltene besonders gleichmäßige Exemplare auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels mit Stern, Nr. 5, doch sind solche in Farbe nicht ganz so kräftig, wie die vorhin bezeichneten auf Ochsenkopf- oder Kronen-Papier.
In anderen Sammlungen findet man auch wohl gleichmäßige aber schwächere Abdrücke, welche einer späteren Zeit angehören. So kommen auf Papieren mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, oder der Thürme mit Mauer, Nr. 14, ganze Folgen manchmal mit breitem Papier-Rande vor, welche aber in Kraft den früheren Abdrücken weit nachstehen. Die Platten sind überhaupt bis auf das äußerste abgenutzt worden, wie die ansehnliche Zahl völlig werthloser Abdrücke beweist, welche sich in manchen Sammlungen umhertreiben.
B. 19. Christus im Gebet im Oelgarten. 1515.
Dieses ist eine sehr häufig vorkommende Radirung, da die Platte sich bis auf die neueste Zeit erhalten hat und zuletzt im Besitze von Heller war[7]. Die alten reinen, ganz rostfreien Abdrücke auf Papier von feiner weißer Masse mit einem Abstande der Drahtstriche von 13½ Linien oder mit dem Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme sind indeß selten.
Die neueren Abdrücke trifft man oft schwarz und voller Rostflecke, die Papiere derselben sind von geringer Güte.
B. 20. Der Mann der Schmerzen mit ausgebreiteten Armen.
Ein schönes, in recht kräftigen Abdrücken, sehr seltenes Blättchen, welches Heller mit Unrecht zu den früheren Arbeiten Dürer’s rechnet. Es unterscheidet sich von diesen durch die sorgfältigere, durchgebildete Behandlung des Vorgrundes und ich möchte, nach der großen Uebereinstimmung in Gefühl und Ausdruck mit dem folgenden Blatte, glauben: daß es nicht früher als dieses gearbeitet sein wird.