Der erste Etat dieses Stiches, mit dem kleinen verzeichneten Munde, gehört zu den sehr seltenen aber keinesweges schönen Curiositäten. Bei den besten Abdrücken, auch dem zu den Dürer’schen Geschenken gehörigen in der Copenhagener Sammlung, ist der Mund bereits geändert. Diese Platte hat übrigens weit schönere Abdrücke geliefert, als B. 55. Bei den besseren habe ich Papier mit einem Abstande der Drathstriche von 13 und 14 Linien gefunden, einmal auch das spätere Wasserzeichen des Lilienschildes mit der Krone, Nr. 11.

B. 57. Der heilige Eustachius.

Dieser größte, vollkommen durchgebildete Kupferstich Dürer’s trägt keine Jahrszahl. So geschätzt und gesucht derselbe ist, so gehört er doch nur in den alten, frischen und warmen Abdrücken zu den Seltenheiten. Diese sind fast ausschließlich auf Papier mit der hohen Krone, doch giebt es einzelne wenige Exemplare von schöner Schwärze, auf Papier mit dem Ochsenkopfe, auch habe ich einen noch schönen Abdruck mit dem Wasserzeichen des Kruges angetroffen.

Der unvergleichliche Abdruck in Copenhagen, Geschenk unsers Meisters an König Christian II von Dänemark, hat das Wasserzeichen der hohen Krone.

Die späteren Abdrücke, welche bis in die Zeit des Kaisers Rudolph II zu reichen scheinen, der die Platte vergolden ließ[12], findet man auf den verschiedenartigsten Papieren, mit dem Wasserzeichen des Hundes, Nr. 13, der Thürme, Nr. 14, des Wappens von Nürnberg, Nr. 12, des Reichsadlers, Nr. 17, letzteres Papier kömmt am häufigsten vor und sind diese neueren Abdrücke oft noch rein und klar, entbehren aber ganz des warmen Tons und der malerischen Wirkung, welche die älteren Abdrücke so vortheilhaft auszeichnen.

Die ungewöhnliche Größe dieser Platte scheint bei dem Abdrucke besondere Schwierigkeiten bereitet zu haben, denn man findet bei den schönsten Abzügen nicht selten kleine Stollen mit gequetschten Linien, auch alte Drucke, die eine geringe Verschiebung des Papiers unter der Walze zeigen. — Einige alte Abdrücke von schöner Kraft kommen vor, bei denen die Druckerschwärze ungewöhnlich dick zum Nachtheil der Klarheit aufgetragen ist, diese haben ein ganz besonders festes Papier, mit kaum sichtbaren Drathstrichen der nicht sehr feinen Schöpfform, welche 15½ Linien von einander entfernt sind.

Bei der schönen Gruppirung der Baulichkeiten des Schlosses auf dem Berge hat Dürer eine flüchtige leicht colorirte Natur-Studie mit benutzt, welche, von ihm bezeichnet: »ein Welsch Schloß« und ohne Zweifel von seiner Italienischen Reise herrührend, bei Heller, pag. 127 unter Nr. 37, angeführt wird, und sich gegenwärtig in der Sammlung des Verfassers befindet.

B. 58. St. Antonius der Einsiedler. 1519.

Ein vortreffliches Blatt, besonders wegen der sehr schönen Landschaft. Die herrlich um den Berg aufgebaute Stadt hat auffallende Aehnlichkeit mit Marburg. Es ist nicht häufig, namentlich in schönen alten Abdrücken, deren sehr festes Papier einen Zwischenraum von 13¾ Linien zwischen den Drathstrichen hat.

B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.