Vor dieser zweiten Ausgabe hat Dürer von einzelnen Platten Abzüge ohne Text auf der Rückseite nehmen lassen, doch nach den Papieren, auf welchen sie vorkommen und die fast durchgehends das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, ausnahmsweise den Ochsenkopf mit der Blume, Nr. 19, haben, nicht lange Zeit vor dem Druck mit Text. Auch findet man bei diesen Abdrücken schon einzelne kleine Fehlstellen in den Einfassungsstreifen, welche bei der ersten Edition noch nicht sichtbar sind, wohl aber bei der zweiten. Ganze Folgen kommen davon nicht vor und die einzelnen Abdrücke sind überhaupt sehr selten. Bekannt sind sie mir nur von den Blättern, B. 61, 63, 64, 65, 74. Nr. 75 ist immer ohne Text.

Diese Abdrücke, von denen man B. 61, 64 und 74 am häufigsten antrifft, sind, wenn auch nicht ganz so scharf wie die gelungensten der ersten Ausgabe, sehr kräftig und schön. Besonders malerisch erscheinen die Abdrücke der Marter des Johannes, B. 61, auf welche Dürer besondere Sorgfalt verwandt zu haben scheint.

Wenn man die Abdrücke der ersten Editionen vom Jahre 1498 mit Text als Ersten Etat bezeichnet, so würden die vorbezeichneten Abdrücke ohne Text der Zweite Etat, die Abdrücke vom Jahre 1511 mit lateinischem Text aber der Dritte Etat sein. —

Von dem Holzschnitt des Titels, B. 60, sind mir nur drei Abdrücke ohne Text bekannt. Sie haben das Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme mit Spitze darunter, Nr. 23, und Entfernung der Drathstriche von 12¾ Linien, der Holzstock davon muß sehr bald nach dem Abdruck im Jahre 1511 abhanden gekommen sein. Spätere Abdrücke der Apocalypse ohne Text habe ich nur selten angetroffen, man findet in dem Papier die Wappen der Städte Nürnberg und Augsburg als Wasserzeichen. Die Holzstöcke scheinen daher nicht ferner benutzt zu sein, wenngleich dieselben noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Paris vorhanden gewesen sein sollen.[26] Häufig trifft man aber die alten Copien vom Jahre 1502 mit dem bei Heller, pag. 637, abgebildeten Monogramm.


In welcher Reihenfolge nach der Offenbarung Johannis, diejenigen Holzschnitte Dürer’s gearbeitet sind, welche keine Jahrszahl tragen, dürfte mit Sicherheit schwer zu bestimmen sein. Heller hat zwar eine Ordnung derselben versucht,[27] doch ist sie wenig begründet und, wie ich nachweisen werde, keineswegs stichhaltig.

Zu den früheren Holzschnitten, welche vor der Reise nach Venedig beendigt waren, gehören unstreitig die Blätter, B. 99, 104, 110 und 112, so wie die 17 Blatt aus dem Leben der Jungfrau, »unser Frauen-Leben«, B. 77 bis 92 und 95, da diese sämmtlich von Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s schon um 1506 copirt und in den Handel gebracht waren. Daß Marc Anton die Copien von dem Leben der Jungfrau jedenfalls früher anfertigte, als Dürer die ganze Folge der 20 Holzschnitte mit dem Text im Jahre 1511 herausgab, glaube ich durch Folgendes begründen zu können:

1) Auf der Copie Marc Antons von der Verkündigung, B. 83, befindet sich rechts oben, unter dem Querbalken des Zimmers, die Jahrszahl 1506, welche — da sie auf dem Original-Holzschnitt nicht vorhanden ist — ohne Zweifel den Zeitpunkt der Vollendung des Nachstichs bedeutet. Dieselbe Jahrszahl 1506 ist auch auf der Copie Marc Antons von dem Holzschnitt B. 112, die Heiligen Johannes und Hieronymus, vorhanden.[28]

2) Hätte Marc Anton das Leben der Maria später nachgebildet, so würde er ohne Zweifel auch die im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. 93 und 94, sowie den Titel, B. 76, copirt haben, da diese fast die schönsten Blätter der ganzen Folge sind und er späterhin die kleine Dürer’sche Passion ganz vollständig mit dem Titel nachstach.