Der gewiß jedem Kunstfreunde unvergeßliche Director des Königl. Kupferstich-Cabinets in Berlin, Dr. Schorn, bezeichnete im Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 100, als Merkmal des Original-Holzschnitts, ohne Jahrszahl: daß zwischen dem längsten der vom Gebirge herabhängenden Grashalme (richtiger Strauchwerk) und dem Umriß des Gebirges noch ein ziemlicher Zwischenraum stattfinde, während sonst dieser Halm bis auf das Gebirge herabreicht. —
Ausser dem Abdruck, mit dieser bezeichneten Verschiedenheit, in Berlin habe ich ähnliche nur in der Königlichen Sammlung zu Copenhagen, der Privatsammlung des Königs von Sachsen in Dresden, dem Dürer-Werke der Ambraser-Sammlung in Wien und einmal im Kunsthandel angetroffen, während bei den sehr zahlreichen übrigen Abdrücken des keinesweges seltenen Blattes, der längste Zweig des herabhängenden Strauchwerks immer den Umriß des Gebirges berührt. —
Das übrige der beiden Abdrucks-Gattungen ist einander sehr ähnlich, doch zeigt eine Vergleichung: daß sie von zwei verschiedenen Holzstöcken herrühren, welche indeß einander nicht so sehr in Güte nachstehen, daß man den einen für eine Copie des anderen halten könnte. Ich zweifle daher nicht, daß es — wie bei Dürer mehrfach vorkommt — ein zweiter Schnitt nach derselben Zeichnung ist. Bei dem Abdruck der Ambraser-Sammlung scheint das Monogramm erst später aufgedruckt.
Der erste Schnitt ist auch als fliegendes Blatt gebraucht, und bei dem Abdruck in Dresden findet sich noch die Schrift rund umher vollständig erhalten.
Die Ueberschrift in großen semi-gothischen Buchstaben lautet
»Sanctus Hieronymus Strydenensis Theologus.«
Am linken Rande des Blattes ist lateinischer Text; der deutsche am rechten Rande fängt an:
»Anno 370, etlich setzen anno 400, leuchtet der vilkindig fürbündig gelerte man Hieronymus u.s.w.«
unten steht:
»Gedruckt zu Nürnberg durch Hans Glaser Brieffmahler hinter Sanct Lorenzen auff dem Platz.«